Cthuloide Brett- und Kartenspiele: Eine subjektive Auswahl

Cthuloide Brett- und Kartenspiele: Eine subjektive Auswahl

Am Wochenende fiel mein Blick ins Bücherregal, und ich stellte fest, dass cthuloide Themen dort zwar dominieren, dass aber meiner Spiele-Kollektion noch ein paar Perlen fehlen. Bevor ich an die Komplettierung gehe, wollte ich mal die Crowd-Intelligence anbholen und euch um Tipps und Hinweise bitten, was ich denn alles nicht auf dem Schirm habe an spielbaren Mythos-Adaptionen!

  • Arkham Horror plus gefühlt 20 Erweiterungen: Der Klassiker. Mittel- bis sehr lange Runden, kooperative Strategien und die sporadische Runde, in der man den Launen der Karten hilflos ausgeliefert ist lassen keine Langeweile auskommen. Nicht nur ein das verdiente Urgestein der Lovecraft-Games, sondern auch eines der wenigen Spiele, die mit auf eine einsame Insel müssten.
  • Kingsport Festival: Ein amüsantes, kurzweiliges Spiel, bei dem auch nach zahllosen Partien nicht klar zu sagen ist, welche Rollen Zufall (Würfel) und Strategie (Ressourcen, Zauber, Ausbau) spielen. Das Spiel funktioniert kompetitiv, aber wenig interaktiv – sieht man davon ab, dass man Gegnern die Möglichkeit nehmen kann, bestimmte Große Alte zu beschwören, wenn man sie zuerst beschwört.
  • Mansions of Madness: Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dieses Spiel nicht mein eigen nenne und noch nie gespielt habe.
  • Eldritch Horror: Leider fehlen mir auch bei diesem Spiel jegliche Erfahrungen
  • Munchkin Cthulhu (plus Memory, um auch kleine Kultisten behutsam an den Mythos heranzuführen): Ebenfalls ein Klassiker, den jeder mag, der sich mit Munchkin anfreunden kann, und den jeder hasst, der den Mythos in die Lächerlichkeit gezogen sieht. #geschmackssache
  • Chez Cthulhu: Leider konnte ich mich mit Chez Geek nie anfreunden, daher habe ich hierum immer einen Bogen gemacht. Sollte ich das ändern?
  • Elder Sign: Das Würfelspiel zum Mythos. Gibt es auch als App (iOS, Android). Geht bedeutend schneller als Arkham Horror, bietet aber auch weniger Tiefe und in meinen Augen weniger Atmosphäre.

Ausgelassen habe ich all die Collectible Card Games und Spiele, in denen der Mythos nur eine Nebenrolle oder Fraktion darstellt (Stichwort: Illuminati). Wenn darunter Perlen versteckt sind: Lasst es mich wissen!

Außerdem habe ich inzwischen den Überblick über all die Crowdfunding-Projekte verloren, die den Mythos als Vorlage nutzen. Ich weiß,. dass ich gerade auf The Writer warte, dass ich froh bin, bei „The Doom that came to Atlantic City“ nicht mitgemacht habe, aber darüber hinaus bin ich offen für Ergänzungen!

Cthuloide Referenzen in Magic: The Gathering

Cthuloide Referenzen in Magic: The Gathering

Aus der beliebten Reihe „Cthuloide Referenzen in …“ (bisherige Teile: Kingdom of Loathing, The Elder Scrolls und Zamonien). Diesmal: Magic, das beliebteste Trading Card Game der Welt. Disclaimer: Es gibt weit über 14.000 Magic-Karten, und meine Gathererfestigkeit lässt in den letzten Jahren zu wünschen übrig. Ich komme noch ca. 3 Mal im Jahr zum Spielen – und Anlass dieses Artikels ist, dass eine dieser Gelegenheiten an diesem Wochenende kommt. Wie immer bei den Referenzen gilt: Es ist schwer abzugrenzen, wo bewusst angespielt wird, wo zufällig Parallelen entstehen und wo solche vielleicht nur in meinem Kopf existieren. Daher bin ich für Ergänzungen, Korrekturen und Co. sehr offen und dankbar!

Was ist MtG?

Magic: The Gathering ist eines der ältesten und das mit Abstand populärste TCG (Trading Card Game) der Welt, erscheint in mindestens 11 Sprachen und verzeichnet über 10 Millionen aktive Spieler. Magic gilt als nerdiges Hobby verschrobener Typen, also passe ich gut ins Spielerprofil und oute mich hiermit. In 14.000 verschiedenen Karten, die seit 1993 gedruckt wurden, gibt es kaum einen Bereich der Fiktion, der nicht schon umfassend Pate stand für Story und „Flavor“ von Karten oder ganzen Erweiterungen.

Wo kommt der Mythos vor?

  • Für Rise Of The Eldrazi und die Eldrazi allgemein standen, laut Aussage des R&D-Chefs Mark Rosewater, HPLs Geschichten, Themen und vor allem Kreaturen Pate. Die Eldrazi sind gottartige Wesen, die zwischen den Sphären leben und nur inkarnieren, um sich zu ernähren. Insbesondere der Eldrazi Emrakul erinnert an eine Mischung aus Azathoth, Cthulhu und dem fliegenden Spaghettimonster:
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Emrakul. Quelle: Gatherer-Datenbank
  • Grimoire of the Dead: Dieses Buch ist eindeutig eine Necronomicon-Anspielung. Das Abwerfen von Karten zum „Studium“ ist die mechanische Entsprechung von Vergessen – oder aber langsamem Wahnsinn
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Das Buch der Toten. Quelle: Gatherer-Datenbank
  • Marit Lage, das Monster, das in dem Land Dark Depths schlummert, ist eine kleine Cthulhu-Referenz – das Monstrum taut auf und taucht auf …

 

 

Philosophischer Schlussgedanke

Im Zentrum von Lovecrafts kosmischem Horror steht ja die Irrelevanz des Menschen angesichts der ungreifbaren, unbegreifbaren Welt um ihn. Lovecraft drückt das durch gottähnliche Wesen aus, weil das wohl einem mythisch denkenden menschlichen Verstand entgegen kommt; als materialistischer Atheist sagte er damit implizit aber auch jedes Mal: „So, wie meine Protagonisten sich das erklären, ist es natürlich nicht – es gibt keine Yog Sothoth, es gibt nur Umstände, die uns verrückt machen, und das nennen wir Yog Sothoth.“ Das funktioniert in der Literatur so einigermaßen, auf der Leinwand schon seltener und in einem Spiel wie MtG fast gar nicht. Zwei Gründe fallen mir ein:

  1. In Magic geht es um „Helden“ (unabhängig von deren moralischer Ausrichtung). Mark Rosewater hat die „Hero’s Journey“ für eine griechisch-mythologisch inspirierte Erweiterung als Grundprinzip einer Mechanik bestätigt, aber eigentlich geht die Parallele noch viel weiter. Jeder Spieler ist ein sich entwickelnder Held, ein Planeswalker, der zwischen den Welten wandelt und den Kreaturen dieser Welten überlegen ist (auch wenn sie ihn töten können). Der Spieler ist ein Magier, der das ganze Multiversum formen kann. Und gerade als Kontrollspieler weiß man, dass man durch eine schwierige Aufbauphase gehen muss, um dann als wahrer Held das Spiel zu kontrollieren und zu gewinnen. Die Storys rund um Magic drehen sich ebenfalls um teils gottgleiche, teils als Gott verehrte Planeswalker. Das geht kaum mit der Machtlosigkeit der Lovecraft’schen Protagonisten einher.
  2. Magic ist ein Spiel mit festen Regeln. (Die Comprehensive Rules haben inzwischen etwa 200 PDF-Seiten.) Innerhalb eines solchen Rahmens ist es sehr, sehr schwer, den chaotisch-regelzersetzenden Charakter cthuloider Monstren zu simulieren; darstellen kann man ihn sowieso nicht.

Was meint ihr? Haben die Magic-Macher zumindest Ton und Atmosphäre des Mythos gut einfangen können – oder mussten sie daran scheitern und hätten die Finger davon lassen sollen?

Copyright Coverbild: Wizards of the Coast.

Cthulhupunk-Projekt: Magrunner Dark Pulse

Achtung, Disclaimer: Das ist wieder ein Crowdfunding-Post. Danke an Chris für den Hinweis!

Auf Gamesplanet Lab, einer neuen Crowdfunding-Plattform, die sich auf Spieleentwickler als Projektstarter konzentriert hat, wird das Spiel Magrunner Dark Pulse vorgestellt und gefundet. Interessant: Das Spiel selbst ist bereits finanziert, das Crowdfunding dient vor allem dem Feedback und der Finanzierung von Content, der von den Spielern gewünscht wird.

Technisch erinnert mich das Spiel an Portal, inhaltlich ist es in einer cthuloiden Zukunftsvision angesiedelt:

Magrunner combines the old and new. Original technological and social futurism collide with the Cthulhu Mythos described by the 20th century author H.P. Lovecraft. The result has been described by various authors and fans as Cthulhupunk, the genre where cyberpunk and the Mythos intersect.

Rezension: Das schwarze Auge – Satinavs Ketten

Nach langer Zeit der Absenz meldet sich DSA wieder in der Videospielwelt. Nach dem genialen „Drakensang – Am Fluß der Zeit“ und dem weniger genialen Addon „Phileassons Geheimnis“ gibt es nun wieder Nachschub für aventurische PC-Spieler. Wer aber wieder ein schönes Rollenspiel erwartet, dem kann ich gleich eine Enttäuschung vor die Füße werfen, diesmal ist mit „Satinavs Ketten“ für den Heimrechner am 22. Juni 2012 ein waschechtes Point & Click-Adventure der alten Schule erschienen!

Bei mir kam gleich die Frage auf: „Wer macht heutzutage noch Point & Click-Adventures?“ Und dann als ich den Namen der Entwickler gesehen hab, bin ich erstmal freudig jauchzend durchs Zimmer gehüpft (obwohl man bei meiner Körperfülle durchaus eher „gestampft“ sagen könnte). Es ist Daedelic Entertainment! Das hamburgerische Team brachte in den letzten Jahren einige Point & Click-Adventures auf höchstem Niveau heraus und ich oute mich hier als kleinen Fan des Studios. Wer neben „Satinavs Ketten“ noch andere Spiele dieser kreativen Köpfe ausprobieren möchte, dem lege ich noch „A New Beginning“, „The Whispered World“ und die beiden genialen Adventures „Edna bricht aus“ und „Harveys neue Augen“ ans Herz.

Die Spiele von Daedelic zeichneten sich immer durch tolles (oldschooliges) Artwork, interessante Geschichten mit großen Wendungen, wundervoller Musik und angenehm fordernden und spaßige Rätseln aus. Kann „Satinavs Ketten“ da mithalten?

„Rezension: Das schwarze Auge – Satinavs Ketten“ weiterlesen

Review: Call of Cthulhu: The Wasted Land

Mit diesem Blogeintrag endet nun endlich meine Inaktivität als Co-Autor auf diesem Blog! Ich werde euch ab heute ebenfalls als Schreiberling mit Artikeln und Beiträgen zu verschiedenen Themen im Bereich Rollenspiel beglücken und feiere meinen Einstand mit einem kleinen Review zum Spiel „Call of Cthulhu: The Wasted Land„. Obwohl der Hauptautor des Blogs eher unser „Cthulhu-Experte“ ist, aber leider keinen Zugang zu einem iPhone oder iPad hat, bat er mich dieses Spiel mal unter die Lupe zu nehmen und zu rezensieren. Getestet wurde auf einem iPhone 4s.

Der Wahnsinn nimmt kein Ende

Nach „Shadow of the comet“, „Prisoner of Ice“ und „Dark Corners of the Earth“ bringt nun Red Wasp Design Horror und Wahnsinn mit einem weiteren Ableger der „Call of Cthulhu“-Reihe auf das iOS. Herausgekommen ist ein bockschweres Taktik-Rollenspiel, an welchem sich selbst erfahrene Strategen die Finger wundreiben können. Die Handlung erzählt die Geschichte einiger Jungsoldaten, die die Machenschaften des „Kult der Erwachten“ zu Zeiten des ersten Weltkrieges auskundschaften müssen. Auf ihrem Weg zu den Credits bekämpfen sie in einem rundenbasierten Kampfsystem durch zahllose „Jerries“ (ein zeitgenössischer Spitzname für die Deutschen), Kultisten und, wer hätte das gedacht, cthuloide Monster verschiedenster Art.

  • Grafik: Die Optik ist vor allem eins: passend, denn die Szenerie reicht von blutgetränken Schlachtfelden über Ruinen alter Zivilisationen und sind mit Liebe zum Detail ausgestaltet. Atmossphärisch gibt es da absolut nicht auszusetzen. Man muss bemängeln, dass zu Zeiten von „Infinity Blade“ (dem Grafikprimus auf dem iOS) die Texturen teilweise pixelig und die Figuren arg kantig sind, der Atmossphäre tut das aber keinen Abbruch.
  • Sound: Analog zur Kulisse ist die Akustik. Sie passt perfekt zum Spiel, aber wirkt teilweise nicht mehr zeitmäßig und oftmals billig. Da wäre mehr drin gewesen! Vor allem für ein Spiel, welches mit Angst und Wahnsinn spielt.
  • Gameplay: Im Kern ist „The Wasted Land“ nicht anderes als ein Taktik-Rollenspiel, welches durchaus mit ähnlichen Titeln wie „Final Fantasy Tactics“ oder „Jagged Alliance“ zu vergleichen ist. In einer isometrischen Perspektive bewegen, schießen und heilen Spieler und Kontrahenten ihre Figuren nacheinander durch das Schlachtfeld. Jede Figur besitzt eine Anzahl von „Action Points“, die bei den möglichen Aktionen verbraucht werden wie z.B. Bewegen oder Angreifen und besitzt verschiedene Gegenstände, die situationsbedingt genutzt werden können. Giftgas? Schnell die Gasmaske überstülpen! Liegt ein Kamerad verwundet auf dem Boden? Gleich mal hinrennen und das Medipak benutzen! Angriffe haben eine prozentuele Trefferchance, welche mit Action Points erhöht werden kann, wobei die Figur dadurch weitere Handlungen opfert. Solche Überlegungen taktischer Art sind der Reiz des Spiels, denn es schenkt einem nichts. Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf der niedrigsten Stufe knackig und fordernd, teilweise sogar richtig frustrierend, denn die Gegnerwellen wollen teilweise überhaupt nicht abflauen. „Jerries“, Kultisten und Monster dienen als wehrhafte Zielscheiben in diesem Spiel, wobei die Monster das Highlight des Spiels darstellen, orientieren sie sich doch sehr genau an den Vorlagen und sind fantastisch in Szene gesetzt. Ein weiterer tödlicher Gegner ist die Steuerung: Obwohl man die Ansicht drehen und leicht reinzoomen kann, ist die Bedienung extrem fummelig und ungenau. Sowas kann durchaus mal den Bildschirmtod kosten. Aber nicht nur der Tod durch falsche Eingaben lauert hinter jeder Ecke, sondern auch der Wahnsinn kehrt als Spielelement aus älteren „Call of Cthulhu“-Teilen zurück. Cthuloide Monster erzeugen Wahnsinn in den Charakteren, welcher bei ihnen verschiedene Auswirkungen haben kann (z.B. Bewegungsunfähigkeit) und dadurch ein zufälliges Spielelement ist, was seinen eigenen Reiz ausmacht. Die Charaktere steigen im Laufe des Spiels in verschiedenen Bereichen ihres Könnes genretypisch auf, wobei das System undurchsichtig erscheint und mir mehrmals recht zufällig vorkam, weil ich niemals voraussagen konnte, WANN nun endlich mein Soldat besser mit seiner Waffe schießen lernt. Hat man sich ins Spiel eingefühlt, ist der Suchtfaktor sehr hoch, denn durch den Schwierigkeitsgrad sind die Gefechte herausfordernd und machen viel Spaß. Die Story wird zwar meist durch Textboxen erzählt, nimmt aber sehr gute Bahnen und bleibt spannend. Ein Fest für alle Cthulhu-Fans!

Klingt ja doch garnicht mal so schlecht, oder? Diese Frage deutet schon auf ein großes ABER hin, welches ich auch nicht vorenthalten möchte. Ich bin kein großer Cthulhu-Experte, kenne aber den Mythos in einigen Auszügen und habe mich auch (dank Dennis!) mit dem PnP-Rollenspiel auseinandergesetzt und muss sagen, dass mich „The Wasted Land“ sehr enttäuscht hat. Wenn ich die Begriffe „Cthulhu“ und „Spiel“ höre, denke ich immer an ein investigatives Rollenspiel, welches mit der Angst und dem Verstand des Spielers spielt. Vor allem das „investigative“ ist mir hier sehr wichtig. Die Welt von Lovecraft ist geheimnisvoll, düster. Ich wünsche mir ruhige Szenen, in denen man nicht weiß, was geschieht. Ich will forschen und entdecken und über allem anderen: Ich will erschreckt werden! Das tut „The Wasted Land“ nicht. Gar nicht. Es ist ein gutes Taktik-Rollenspiel, mit einem netten Kampfsystem und einer Story, die fesseln kann, aber es ist für mich einfach nicht das Spiel, was ich erwartet habe. Kurzum: Wer Cthulhu und Taktik-Rollenspiele mag (Masochismus und ein entsprechendes Apple-Gerät vorausgesetzt) sollte unbedingt zuschlagen, Taktik-Rollenspieler können ebenso bedenklos den „Kaufen“-Button im Appstore antippen, aber reinen Cthulhu-Fans, die ein „typisches“ Cthulhu-Werk erwarten, rate ich vom Kauf ab.

Kurze Zusammenfassung:

Pro:

  • Super Atmosphäre
  • Sehr taktisches Kampfsystem
  • Spannende Geschichte

Contra:

  • Sound nicht zeitgemäß
  • Sehr, sehr schwer
  • Steuerung fummelig
  • Kein wirklicher „lovecraftian horror“

Nette Anekdote: Unser lieber Dennis hat das Spiel für die Entwickler ins Deutsche übersetzt, mir liegen aber keine Informationen vor, wann dieses Update kommen soll.

Hier der Download-Link für den Appstore.