Plotsprenger #4: Literatur für Spielleiter

Im vierten Plotsprenger geht es um die Lektüre, die man sich als Meister zu Gemüte führen kann – und ob man das sollte. Hoffen wir, dass das eine ebenso lebendige Diskussion auslösen wird wie die letzte Ausgabe!

Und direkt zur Datei geht es hier entlang.

Inhalt (ohne Timestamps, ich meine, das sei dekadenter Luxus):

  1. Allgemeine Literatur: Robin Laws „Gutes Spielleiten“
  2. Systemspezifische Literatur
    1. Domi: Vampire – Requiem Storyteller’s Guide
    2. Dennis: Wege des Meisters (DSA)
    3. Star Wars allgemein (kein eigenes SL-Buch)
    4. Dennis: Cthulhu / Cthulhu Now + CW/CR
  3. Diskussion: Braucht man das – und was braucht man?

Kurzrezension: Kartenglück und Schicksalszeichen

KuS habe ich erworben, weil es a) eine schöne Publikation ist und b) zu einem aktuell von mir sehr gerne gespielten Charakter passt, einem wahrsagenden Norbarden. Die Karten besitze ich schon länger, war mit dem beigelegten Heftchen auch recht zufrieden. Aber etwas mehr kann ja nicht schaden.

„Kartenglück und Schicksalszeichen“ liefert die im Begleitheft erwähnten Inhalte, nur etwas ausführlicher: Die Geschichte der Karten und ihre Funktion sowohl als Wahrsage- wie auch Glücksspiel-Instrument. Mein Schwerpunkt liegt auf ersterer, sodass ich zum „Boltan“ nicht viel sagen kann – vielleicht äußert sich ein Leser, der das aventurische Poker anhand des Buches ausprobiert hat, inwieweit die Strategiehinweise hilfreich sind? (Und ob man den Hinweis wirklich braucht, dass Glücksspiel um Geld in Deutschland ohne Konzession strafbar ist?)

Zur prophetischen Verwendung: Leider wurde dem Buchnur eine neue Legevariante spendiert, die „Mondsichel“. Man ist also weiterhin mit einem Tarot-Buch für 35 Cent vom Flohmarkt besser bedient – denn wirkliche aventurische Eigenarten haben die Systeme alle nicht. (Und, lieber Ulisses-Verlag: Den Hinweis, dass es sich bei Kartenlegen nicht um eine valide und reliable Möglichkeit der Prognose handelt. hättet ihr euch sparen können. Als Skeptiker danke ich trotzdem für den guten Willen.) Für die Deutung und die aventurische Symbolik sind die ca. 100 Farbtafeln zu den einzelnen Karten sehr hilfreich. Die Erläuterungen zur Gabe Prophezeien werden ergänzt durch ein neues Berufsgeheimnis (Inrah), sodass mich das Werk zusätzlich zu den 25.- auch noch 50 AP gekostet hat – aber das war es wert.

Ein eigenes Kapitel widmet sich der Verwendung der Karten als Zufallsgenerator – als Ergänzung oder Ersatz für Würfelwürfe oder zum Erstellen ganzer Abenteuer. In der Theorie fand ich das recht gelungen, ob es sich am Spieltisch bewährt. kann ich noch nicht sagen. Hat das jemand schon ausprobiert?

Fazit: Für meine Zwecke hat sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt. Und es steckt definitiv noch mehr darin, gerade für Storytelling-basierte Meister und Spieler.

Review: Call of Cthulhu: The Wasted Land

Mit diesem Blogeintrag endet nun endlich meine Inaktivität als Co-Autor auf diesem Blog! Ich werde euch ab heute ebenfalls als Schreiberling mit Artikeln und Beiträgen zu verschiedenen Themen im Bereich Rollenspiel beglücken und feiere meinen Einstand mit einem kleinen Review zum Spiel „Call of Cthulhu: The Wasted Land„. Obwohl der Hauptautor des Blogs eher unser „Cthulhu-Experte“ ist, aber leider keinen Zugang zu einem iPhone oder iPad hat, bat er mich dieses Spiel mal unter die Lupe zu nehmen und zu rezensieren. Getestet wurde auf einem iPhone 4s.

Der Wahnsinn nimmt kein Ende

Nach „Shadow of the comet“, „Prisoner of Ice“ und „Dark Corners of the Earth“ bringt nun Red Wasp Design Horror und Wahnsinn mit einem weiteren Ableger der „Call of Cthulhu“-Reihe auf das iOS. Herausgekommen ist ein bockschweres Taktik-Rollenspiel, an welchem sich selbst erfahrene Strategen die Finger wundreiben können. Die Handlung erzählt die Geschichte einiger Jungsoldaten, die die Machenschaften des „Kult der Erwachten“ zu Zeiten des ersten Weltkrieges auskundschaften müssen. Auf ihrem Weg zu den Credits bekämpfen sie in einem rundenbasierten Kampfsystem durch zahllose „Jerries“ (ein zeitgenössischer Spitzname für die Deutschen), Kultisten und, wer hätte das gedacht, cthuloide Monster verschiedenster Art.

  • Grafik: Die Optik ist vor allem eins: passend, denn die Szenerie reicht von blutgetränken Schlachtfelden über Ruinen alter Zivilisationen und sind mit Liebe zum Detail ausgestaltet. Atmossphärisch gibt es da absolut nicht auszusetzen. Man muss bemängeln, dass zu Zeiten von „Infinity Blade“ (dem Grafikprimus auf dem iOS) die Texturen teilweise pixelig und die Figuren arg kantig sind, der Atmossphäre tut das aber keinen Abbruch.
  • Sound: Analog zur Kulisse ist die Akustik. Sie passt perfekt zum Spiel, aber wirkt teilweise nicht mehr zeitmäßig und oftmals billig. Da wäre mehr drin gewesen! Vor allem für ein Spiel, welches mit Angst und Wahnsinn spielt.
  • Gameplay: Im Kern ist „The Wasted Land“ nicht anderes als ein Taktik-Rollenspiel, welches durchaus mit ähnlichen Titeln wie „Final Fantasy Tactics“ oder „Jagged Alliance“ zu vergleichen ist. In einer isometrischen Perspektive bewegen, schießen und heilen Spieler und Kontrahenten ihre Figuren nacheinander durch das Schlachtfeld. Jede Figur besitzt eine Anzahl von „Action Points“, die bei den möglichen Aktionen verbraucht werden wie z.B. Bewegen oder Angreifen und besitzt verschiedene Gegenstände, die situationsbedingt genutzt werden können. Giftgas? Schnell die Gasmaske überstülpen! Liegt ein Kamerad verwundet auf dem Boden? Gleich mal hinrennen und das Medipak benutzen! Angriffe haben eine prozentuele Trefferchance, welche mit Action Points erhöht werden kann, wobei die Figur dadurch weitere Handlungen opfert. Solche Überlegungen taktischer Art sind der Reiz des Spiels, denn es schenkt einem nichts. Der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf der niedrigsten Stufe knackig und fordernd, teilweise sogar richtig frustrierend, denn die Gegnerwellen wollen teilweise überhaupt nicht abflauen. „Jerries“, Kultisten und Monster dienen als wehrhafte Zielscheiben in diesem Spiel, wobei die Monster das Highlight des Spiels darstellen, orientieren sie sich doch sehr genau an den Vorlagen und sind fantastisch in Szene gesetzt. Ein weiterer tödlicher Gegner ist die Steuerung: Obwohl man die Ansicht drehen und leicht reinzoomen kann, ist die Bedienung extrem fummelig und ungenau. Sowas kann durchaus mal den Bildschirmtod kosten. Aber nicht nur der Tod durch falsche Eingaben lauert hinter jeder Ecke, sondern auch der Wahnsinn kehrt als Spielelement aus älteren „Call of Cthulhu“-Teilen zurück. Cthuloide Monster erzeugen Wahnsinn in den Charakteren, welcher bei ihnen verschiedene Auswirkungen haben kann (z.B. Bewegungsunfähigkeit) und dadurch ein zufälliges Spielelement ist, was seinen eigenen Reiz ausmacht. Die Charaktere steigen im Laufe des Spiels in verschiedenen Bereichen ihres Könnes genretypisch auf, wobei das System undurchsichtig erscheint und mir mehrmals recht zufällig vorkam, weil ich niemals voraussagen konnte, WANN nun endlich mein Soldat besser mit seiner Waffe schießen lernt. Hat man sich ins Spiel eingefühlt, ist der Suchtfaktor sehr hoch, denn durch den Schwierigkeitsgrad sind die Gefechte herausfordernd und machen viel Spaß. Die Story wird zwar meist durch Textboxen erzählt, nimmt aber sehr gute Bahnen und bleibt spannend. Ein Fest für alle Cthulhu-Fans!

Klingt ja doch garnicht mal so schlecht, oder? Diese Frage deutet schon auf ein großes ABER hin, welches ich auch nicht vorenthalten möchte. Ich bin kein großer Cthulhu-Experte, kenne aber den Mythos in einigen Auszügen und habe mich auch (dank Dennis!) mit dem PnP-Rollenspiel auseinandergesetzt und muss sagen, dass mich „The Wasted Land“ sehr enttäuscht hat. Wenn ich die Begriffe „Cthulhu“ und „Spiel“ höre, denke ich immer an ein investigatives Rollenspiel, welches mit der Angst und dem Verstand des Spielers spielt. Vor allem das „investigative“ ist mir hier sehr wichtig. Die Welt von Lovecraft ist geheimnisvoll, düster. Ich wünsche mir ruhige Szenen, in denen man nicht weiß, was geschieht. Ich will forschen und entdecken und über allem anderen: Ich will erschreckt werden! Das tut „The Wasted Land“ nicht. Gar nicht. Es ist ein gutes Taktik-Rollenspiel, mit einem netten Kampfsystem und einer Story, die fesseln kann, aber es ist für mich einfach nicht das Spiel, was ich erwartet habe. Kurzum: Wer Cthulhu und Taktik-Rollenspiele mag (Masochismus und ein entsprechendes Apple-Gerät vorausgesetzt) sollte unbedingt zuschlagen, Taktik-Rollenspieler können ebenso bedenklos den „Kaufen“-Button im Appstore antippen, aber reinen Cthulhu-Fans, die ein „typisches“ Cthulhu-Werk erwarten, rate ich vom Kauf ab.

Kurze Zusammenfassung:

Pro:

  • Super Atmosphäre
  • Sehr taktisches Kampfsystem
  • Spannende Geschichte

Contra:

  • Sound nicht zeitgemäß
  • Sehr, sehr schwer
  • Steuerung fummelig
  • Kein wirklicher „lovecraftian horror“

Nette Anekdote: Unser lieber Dennis hat das Spiel für die Entwickler ins Deutsche übersetzt, mir liegen aber keine Informationen vor, wann dieses Update kommen soll.

Hier der Download-Link für den Appstore.