Cyclopean Citadels

Ein zyklopäisches Konstrukt zum Rollenspiel. Irgendwann jedenfalls.

Happy birthday HPL!

by anouphagos

Der Meister des kosmischen Schreckens wäre heute 125 Jahre alt geworden.

Wochenendlektüre: Houellebecq und Lovecraft

by anouphagos

Ich hoffe, ihr habt ein wenig Zeit mitgebracht. Wenn euch interessiert, wie Michel Houllebecqs Begeisterung für Lovecraft, die Rassismus-Vorwürfe gegen beide Literaten, Nihilismus, Cosmicism und religiöser Fundamentalismus zusammenhängen könnten, sei euch dieser Artikel im Lovecraftezine von Paul St John Mackintosh empfohlen.

Spannend wird es, wo wir an die aktuellen Diskussionen um Houellebecq anschließen können und auch noch Nietzsche ins Spiel kommt. Mackintosh schreibt:

Lovecraft’s cosmicism is now classed under one of the literary offshoots of existential nihilism. And Ligotti rightly links this to Nietzsche, who as he says, “not only took religious readings of life seriously enough to deprecate them at great length, but was hellbent on replacing them with a grander scheme of goal-oriented values and a sense of purpose that, in the main, even nonbelievers seem to thirst for.” And after an early flirtation with nihilistic atheism, Houellebecq seems to be following precisely that path – so long as he can get in a few hits on French secular rationalism and the Enlightenment in the process. “Atheism and secularism are dead, so is the French republic,” he proclaims, “More and more people can’t stand living without God.”

Da haben wir wieder dieses antiaufklärerische Moment, das mich bei Houellebecq immer gestört – und verwundert hat, denn seine Bücher regen ja durchaus zu “aufklärerischer” Auseinandersetzung an, egal, was da nun im Wortlaut steht.

Da beim Charlie-Hebdo-Attentat Bernard Maris, ein enger Freund Houellebecqs, ums Leben kam, und zeitgleich sein neuer Roman “Soumission” (dt. “Unterwerfung”) auf den Markt kam, ist der französische enfant terrible gerade in aller Munde und auch bei der SZ im Interview. Da bietet sich das Bild eines Menschen, der über kein wirklich kohärentes Weltbild verfügt:

Gespräche mit Houellebecq sind grotesk und zugleich angenehm. Grotesk, weil er so schrullig ist. Er kaut seine Zigaretten mehr, als dass er sie rauchen würde, der Filter ist nach wenigen Zügen komplett zerquetscht. Er fährt sich im Auge rum, stößt seltsame Laute aus, so als sei inwendig etwas verrostet, und er empfängt in der Hochwasserhose vom vorhergehenden Abend, nur dass sie jetzt über und über mit Zahnpasta bespritzt ist. Aber er ist ausnehmend freundlich, uneitel, ruhig und im Verlag schwärmen sie alle, wie unkompliziert es mit ihm sei.

M.H.: Aber die Aufklärung hat den Menschen die Religion genommen. Und es geht nicht ohne Religion.

SZ: Sind Sie denn selbst gläubig?

M.H.: Nein, das ist ja das Tragische. Ich versuche es immer wieder. Seit ich 13 bin, denke ich, das Universum ist so unfassbar – es kann doch nicht sein, dass das alles einfach so da ist. Aber es gelingt mir trotzdem nicht, zu glauben.

[…]

SZ: [Sie haben den Koran in einem Gerichtsverfahren als der Bibel unterlegen bezeichnet, weil diese wenigstens stellenweise Poesie enhalte.] Würden Sie das heute auch noch sagen?

Überhaupt nicht. Ich habe mittlerweile den Koran gelesen, hat mir gut gefallen.

Das wiederum passt ja ganz gut dazu, wie Antiaufklärer gewöhnlich argumentieren – ohne Basis. Jedenfalls bin ich nach diesen Artikeln auch nur bedingt schlauer, was ich von Houellebecq halten soll, aber die Lektüre hat sich gelohnt.

PS: Houellebecqs Essay “Gegen die Welt, gegen das Leben” über Lovecrafts Weltsicht und Spleens ist weiterhin eine dringende Lektüreempfehlung. Es ist etwas schwer, an das deutsche Büchlein heranzukommen – Amazon listet Ausgaben ab 50 Euro für 130 Seiten –, aber es lohnt sich. Staatsbibliotheken sind eine gute Adresse. (Das Exemplar der Münchner Stabi liegt gerade bei mir, mea culpa.)

(c) Coverbild: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl. // License.

Traumlande-Gewinnspiel: Gewinnt cthuloide Preise!

by anouphagos

Falls es jemand (wie ich bis gerade eben) noch nicht mitbekommen hat: Auf nerdlich.org gibt es eine Reihe von Preisen zu gewinnen, von der Die Farbe-DVD übers Traumlande-Shirt bis zu einer HPL-Gesamtausgabe. Teilnahme erfolgt über das Posten eines HPL-Zitats. Wer dazu Anregung braucht oder sich von Lovecraft inspirieren lassen will, findet zahllose Quotes auf Wikiquote!

Shadow Bound: Folgt Pickman in diesem cthuloiden Stummfilm!

by anouphagos

Ich bin sehr begeistert von Shadow Bound. Dabei handelt es sich um eine erzählerisch ungewöhnliche Lovecraft-Adaption: Schwarz-weiß, ohne Ton und nur mit 20er-typischen, expressiven Charakteren bestückt, erzählen die fünf 20minütigen Episoden die Geschichte des Schriftstellers Jack Pickman (!). Jack kehrt nach dem Suizid seines Vaters Richard U. Pickman (!!!) in das verschlafene Heimatnest Veritas zurück. (Überhaupt spielen Latinismen eine große Rolle, schon bei den Titeln der Episoden.) Und dort geht natürlich nicht alles mit rechten Dingen zu …

Die Episoden gibt es auf DVD und kostenlos auf Youtube. Guck-Befehl fürs Wochenende!

[Kickstarter] Cthulhu Ouija Board

by anouphagos

Cthulhu Project, die Macher hinter der kleinen Cthulhu-Statue, die im Büro meine Zigaretten hält, haben ein neues Kickstarter-Projekt gelauncht: Ein Ouija-Board ist ab ca. 65 Euro erhältlich. Die handwerkliche Qualität der Statuette hat mich überzeugt – sie überlebte sogar, dass eine Kollegin den Großen Alten auf den Boden rollen ließ.

Limited Edition Cthulhu talking board with a unique sculpted & hand-painted planchette… communicate with Cthulhu through his dreams!

A limited edition collector's product for our backers: a board to communicate with Cthulhu himself from the depths of R'lyeh!

A limited edition collector’s product for our backers: a board to communicate with Cthulhu himself from the depths of R’lyeh!

PS: Ja, mich kann man recht leicht als Backer gewinnen, wenn man einfach irgendwo in den Text “Cthulhu” schreibt. Ich finde einfach, es gibt noch viel zu wenig cthuloide Produkte! Die Großen Alten sollten überall sein! Iä!

Lovecraft in Real Life: Der todlose Chinese

by anouphagos

Lovecraft lässt grüßen: Wer erinnert sich nicht an die Zeile

Deren Überreste, so habe der todlose Chinese ihm gesagt, könne man noch als zyklopische Steine auf Inseln im. Pazifik finden.

aus Cthulhus Ruf? Der kosmische Horror hat die Gegenwart natürlich längst eingeholt:

Seit über 75 Jahren ist der Körper des 1927 verstorbenen Hambo Lama Daschi-Dorsho Iltigelows nahezu unverändert erhalten. Wissenschaftler, die ihn untersucht haben, sind ratlos. Der Leichnam des Lama ist in all den Jahrzehnten nicht verwest, was allen Gesetzen der Natur widerspricht. (Pravda TV)

Fragt sich natürlich, wieso sich einer der “deathless Chinamen” Lovecrafts überhaupt finden lassen sollte.

PS: Wer sich dem Phänomen etwas skeptischer nähern möchte, findet dazu im GWUP-Blog Anregungen.

H.R. Giger ist tot

by anouphagos

H.R. Giger ist tot. Keine schöne Nachricht nach dem Urlaub. Ich habe vor Kurzem erst nach einem Impulskauf des Taschen-Buchs Arh+ nach der Leipziger Buchmesse ein wenig mehr über Giger gelesen. Er hat nicht nur einen Tarot gestaltet, der sich sicher gut am Spieltisch einsetzen lässt (zu Tarot als Fertigkeit bei Cthulhu siehe die aktuelle Ausgabe #5 von Cthulhus Ruf, die ich auf der RPC erstehen konnte). Er hat auch mehrere Werke mit dem Titel “Necronomicon” versehen sowie ein Cover für “Cthulhu News” designt, auch wenn ihm in manchen Diskussionen vorgeworfen wird, sich nur oberflächlich mit HPL befasst und einiges komplett missverstanden zu haben.

Cover zu Gigers Necronomicon

Es berichten u.a. Propnomicon und Bienia und die Süddeutsche hat eine Bildergalerie. Ich empfehle auch folgende Doku:

Kurzrezension: Drachenväter

by anouphagos

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Drachenväter ist angetreten, crowdgefundet die Geschichte des Rollenspiels zu schreiben. Und trotz Lücken überzeugt das Resultat!

Die Form: Bei Drachenväter handelt es sich um ein 360 Seiten starkes, schön gedrucktes Hardcover mit Schutzumschlag, sehr reich bebildert (ich würde den Bildanteil des Inhalts auf ca. 50% schätzen) und mit Lesebändchen ausgestattet. Nach der Titelei folgt eine Liste der besonders großzügigen Förderer sowie ein Bild, auf dem die drei wichtigsten Sponsoren zu sehen sind. Einer davon: Sascha Lobo, mit leuchtend rotem Iro in nicht ganz klassischer Magier-Gewandung. Damit hatte das Buch mich endgültig für sich gewonnen.

Der Inhalt: Die Rollenspielgeschichte beginnt im alten Preußen, bei Schlachtsimulationen auf Spielbrettern, und bleibt dann bis in die 70er Jahre “charakterloses” Wargame. Dann bricht DnD in die Geschichte ein – und wirft alles über den Haufen. Die Vorbedingung für DnD war der Fantasy-Boom, der von Howard, Lovecraft, Leiber bis zu Tolkien die Grundideen brachte und die Kaufbereitschaft weckte. Dann wuchs der Markt, es entstanden zahllose Systeme neben DnD, andere Spielformen wie Magic kamen auf – und natürlich das Computer-Rollenspiel.

Dieser Parforceritt ging zu schnell? Genau dafür brauchen wir dieses Buch: Es zeichnet minutiös die Entwicklung insbesondere von DnD nach, das geht so weit ins Detail, dass man die persönlichen Zerwürfnisse von Gary Gygax mit seinen Geschäftsfreunden und die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen an DnD, seinem Vertrieb und seiner Konkurrenz beteiligten Unternehmen erfährt. DnD ist klar das Herzstück des Bandes, auch wenn mehrere große Kapitel über die fantastischen Wurzeln des Genres vorkommen. Ich z.B. war schon immer verwirrt, welcher Steve Jackson (1, 2) nun was getan hat.

Drachenväter analysiert aber auch in umfangreichen Kapiteln, wie es nach Tolkiens Weltenbau zum Aufschwung der Fantasy (von HF bis S&S) kam, welche Rolle Fritz Leiber und Robert Howard hierbei spielten, geht auf HPLs Rolle in SF, Horror und “Storytelling” ein. Insgesamt kommt mir der Cthulhu-Mythos (oder besser: -Erzählkosmos) ein wenig kurz, aber das liegt vermutlich einfach an mir.

Seit gestern ist Drachenväter zum stolzen Preis von 42.- erhältlich – für RPG-Fans aber jeden Cent wert.

Macher von “Die Farbe” starten Crowdfunding für Traumlande-Film

by anouphagos

Vor ein paar Jahren machte ich meine erste Crowdfunding-Erfahrung mit dem cthuloiden Film “Die Farbe” – noch ganz ohne Kickstarter oder Startnext im Hintergrund. Huan Vu, der Regisseur und Projekt-Treiber bei Die Farbe, sammelt nun auf Indiegogo das Geld für einen neuen HPL-basierten Film ein. Thema: die Traumlande.

Das Projektziel von 200.000 Euro ist ehrgeizig, die Pledge-Levels zum Teil eher hoch (ich habe mich hinreißen lassen, 125.- zu spendieren), aber der Finanzplan und die Projektideen rechtfertigen das:

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Let’s make the dream come true!

PS: greifenklaue hat auch schon berichtet (und gespendet).

Cthuloide Referenzen in “Kingdom of Loathing”

by anouphagos

Das hier ist ja ein Rollenspielblog, daher sollte es niemanden wundern, dass der Autor a) auch gerne digitale Rollenspiele spielt und b) gerade auf besonders nerdige Dinge abfährt. Perfekt vereint ist das in “Kingdom of Loathing”, einem textbasierten, mit Strichmännchen und tausenden Anspielungen garnierten MMORPG.

Berufenere Autoren als ich haben erklärt, warum man KoL spielen muss – etwa John Borwick. Der Artikel ist auf Englisch verfasst, aber wen das schreckt, der sollte von KoL ohnehin die Finger lassen. Ordentliche Englischkenntnisse sind obligatorisch, um an KoL Spaß zu haben.

Als kleinen Anreiz, da mal reinzugucken, liste ich hier meine liebsten Referenzen des Cthulhu-Mythos auf:

  1. C’thgn’frg, the Elder Chef of The Crimboween Spooky Cafe, der spricht wie HPL schreibt und aussieht wie Cthulhu nach zu viel Vault of Doom.
  2. Shub-Jigguwatt, Elder God of Violence.
  3. High priest of Ki’rhuss, der aussieht wie der stereotype Kultist.
  4. The Cooler Out of Space.
  5. Das Cookie-baking Thing from Beyond Time.
  6. Ia Kermithulhu! Ph’nglui mglw’nafh Kermithulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn! Fhtagn katamari damashi’i!“, den Ausruf einer Gruppe Lobster-Frgmen im Non-Combat-Adventure The Wake-Up Call of Kermithulhu.
  7. Herman East, Relivinator und Reanimated Reanimator.
  8. The Necbronomicon und Necrotelicomnicon.
  9. Das Necbromancer Tattoo, das aussieht wie ein Gelbes Zeichen.
  10. Lurking at the Threshold, endlich mal Derleth!
  11. Pokëmann figurine #0779: Shoggoth.
  12. Ein ganzer Raum auf dem Bugbear-Mothership.
  13. ” I’m going to take the Lovecraft Escape Clause here, and say that the smell is impossible to describe, and if I described it we’d both go instantly insane.”, im Beschreibungstext zu Guanified.
Was es sonst noch so gibt:
  • Anspielungen auf Literaten von Poe bis Lem.
  • Noch viel mehr Anspielungen auf alles, was ihr euch vorstellen könnt.
  • Einen Vertrauten, der Grim Tales in Anlehnung an die Märchen der Gebrüder Grimm vorliest.
  • Eine Beschwörungskammer, in der man Dämonen für kleinere und größere Buffs beschwören kann.
  • Booze, Food and Spleen.
  • Tattoos.
  • Tausend (?) Spiele in einem.
  • Die Chance, eine Museumsvitrine (u.a. mit Sammelfiguren veschiedener “Systeme”) zu bestücken
  • und einen Shop zu eröffnen:

bapadebupi

Lust bekommen, zu spielen?

Ressourcen:

 

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