Der steinige Einstieg ins Rollenspiel

Per aspera ad astra, wie es so schön heißt; oder auch: aller Anfang ist schwer; oder: [insert matching proverb here]. In zwei Blogartikeln und wohl auch in einigen Foren (ich sollte mal darüber bloggen, warum ich in RPG-Foren so inaktiv bin …) ging es die Tage um den Einstieg ins Rollenspiel.

Ich erinnere mich selbst noch ganz gut, wie ich richtig ins Rollenspiel, in DSA, eingestiegen bin. Erstmal war alles sehr einschüchternd: Viele Werte, ein komplizierter Charakterbau (den ich per Generatorsoftware recht suboptimal erledigte), umständliche Proben und eine sehr komplexe, und leider auch sehr komplex beschriebene Welt, die einem Einsteiger kaum Freiheiten lässt.

So war mein Eindruck am ersten Tag, so war er nach einem Monat, und so ist er eigentlich auch heute noch, auch wenn ich nun das „Herrschaftswissen“ eines einigermaßen gestandenen DSA-Spielers besitze. Kurz gesagt: DSA ist kein Einsteiger-System, aber wer den EInstieg mit DSA schafft, der wird es in jedem System schaffen, das für den Spieler nicht völlig unpassend ist. Die Komplexität wird sich wohl auch nicht reduzieren lassen, höchstens für den absolut ersten Einstieg. Zu den Gründen schreibt Arkanil:

Auf Dauer lässt sich kein Schmalspur-DSA spielen. Das Regelwerk tut zwar so, als ob ein Großteil der Regeln nur optional wäre. Tatsächlich gehen die meisten DSA-Produkte aber von der Gesamtheit der Regeln aus. Nicht das Hinzufügen von Regeln ist optional, sondern meist nur das Weglassen von Regeln. Ähnliches gilt für die Spielwelt. Nicht das Befolgen des Metaplots ist optional, sondern das Abweichen davon.

So ist die Ulisses-Produktpolitik – und eine Änderung ist nicht in Sicht.

Auch bei n3rdpol befasst man sich mit der Frage, was Einsteigerfreundlichkeit ausmacht. Das Kriterium Preis ist sicher wichtig, aber vielleicht eher für ganz neue Gruppen, in denen jeder Einsteiger ist. Das dürfte kaum der Regelfall sein, die meisten Leute kommen über bereits spielende Freunde zum Hobby. (So jedenfalls mein Eindruck, der natürlich rein subjektiv und nicht durch empirische Daten gestützt ist.)

Aber auch, wer unter Anleitung einsteigt, hat bestimmte Bedürfnisse – etwa ein nicht zu komplexes Regelsystem. Mich hat die (Über-?)Komplexität von DSA damals nicht abgehalten, mich einzulesen, auch wenn es sicher hunderte Stunden gedauert hat, bis ich nicht mehr bei jeder Probe und für jedes Detail nachfragen musste. Wer aber weniger motiviert ist als ich damals oder schlicht weniger Zeit hat als so ein Oberstufenschüler, der wird das System wieder aus der Hand legen. Ich hatte sicher die beste Unterstützung durch eine erfahrene Gruppe, und nur das hat mich DSA weiter erkunden lassen.

Ich gehe davon aus, dass diese Artikel zum Thema RPG-Einstieg vor allem von schon „praktizierenden“ Rollenspielern gelesen werden, die neue Leute an das Hobby heranführen wollen. Der wichtigste Faktor für mich: Die gestandenen Spieler müssen für die neuen da sein und ihnen Hilfestellung bieten. Das beginnt schon bei der Wahl des Systems – gut sind Systeme, die schnelle Charaktergenerierung erlauben, nicht zu viele, aber eindeutige und intuitive Regeln bieten und dem neuen Spieler idealerweise auch eine halbwegs vertraute Welt anbieten. Ich persönlich würde wohl am ehesten zur WoD, zu Shadowrun oder zum überarbeiteten Call of Cthulhu greifen. Bei Fantasy-Systemen bin ich mir nicht sicher, DSA ist jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich selbst kenne aber kaum anderes.

8 Gedanken zu “Der steinige Einstieg ins Rollenspiel

  1. Danke für den Tipp, da werde ich mal rein gucken. Aktuell experimentiere ich ein bisschen mit einem eigenen Dark(est)-Fantasy-Setting für FATE rum, wobei gerade die Regeln, die jeden zum Sub-SL machen, nicht wirklich für Einsteiger geeignet sind. Auf den ersten Blick gefällt mir das schlanke Design der Flyer-Bücher jedenfalls recht gut, vielleicht probiere ich das gleich kommenden Sonntag in einer Runde mal aus.

    Danke für das Lob fürs Blogdesign, ich war sehr erfreut, mit „Manifest“ so ein simples Theme gefunden zu haben. Welche Schriftart das genau ist, kann ich nicht sagen, tippe aber auch auf etwas aus der Palatino-Familie. (Die Schriftart war eines der Hauptargumente für das Theme, ich setze schon seit Jahren meine Hausarbeiten mit der LaTeX-Palatino und bin auch bildschirmtypographisch sehr angetan von ihr.)

    1. Freut mich, dass dir die Flyer gefallen! (ich hatte schon den Anflug eines schlechten Gewissens, dass ich einfach so Eigenwerbung in den Kommentar schreibe…)

      Die Regeln der Flyer sind übrigens wie FATE aus Fudge entstanden, allerdings mit den zusätzlichen Vorgaben, feinere Werte-Abstufungen zu haben (für lange Kampagnen), Gurps-Kompatibilität zu erreichen und klassisch zu bleiben, damit die Regeln leicht für verschiedenste Welten angepasst werden können. Und ich wollte nur einen Würfel (daher kam der ±W6). Eine etwas veraltete Info zu dem Weg ist http://fudge.1w6.org🙂

      Das stärkste Fudge-Erbe ist, dass die Namen von Werten frei gewählt werden und die Erschaffung in Dreierschritten mit – und + läuft und erst zur Steigerung auf die feineren Abstufungen gewechselt wird. Für FATE entwickelte Regeln einzubinden ist dadurch meistens sehr einfach🙂

      Und es ist frei lizensiert. Wenn es dir gefällt, kannst du es also einfach auch für eigene Werke nutzen und sogar verkaufen – inklusive der gesamten Quellen → http://1w6.org/deutsch/regeln/quellen#quellen

      PS: Der Quellcode deiner Seite sagt auch Palatino – ich habe Palatino in meiner Diplomarbeit genutzt, allerdings in der URW-Variante. Das war das Ergebnis von stundenlangem Schrift-Testen…🙂

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