Yuggoth Rising: Jetzt als Kindle-E-Comic

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Mit Sebastian Dietz, dem Zeichner und Autor der Comicreihe „Yuggoth Rising“, kam ich ja schon 2012 ins Gespräch, das seitdem nicht abbrach.

Irgendwann reifte dann die Idee, die Geschichte auch digital verfügbar zu machen – und diesbezüglich können wir nun Erfolg vermelden: „Yuggoth Rising“ gibt es ab sofort als Kindle-E-Comic, und zwar sowohl auf deutsch wie auch auf englisch in einer Übersetzung von Craig Stanton.

Die Herstellung des E-Comics hat Sebastian übernommen, Auslieferung und Vertrieb liegen bei mir. Daher freue ich mich auch, endlich an einem cthuloiden Publikationsprojekt beteiligt zu sein 🙂

Worum geht’s?

Februar 1930. Nach einer Dekade des unbekümmerten Wohlstands schlittert die Welt immer tiefer in ihre bisher schwerste Wirtschaftskrise. Während moderne Teleskope kaum über den Rand unseres Sonnensystems blicken, plant ein Kreis einflussreicher Kultisten, unsagbare Schrecken aus den Weiten des Weltalls auf die Erde zu rufen.

Im E-Comic enthalten sind alle drei bislang erschienenen (und inzwischen vergriffenen) Comics „Ankunft und Aufbruch“, „Böses Erwachsen“ sowie „Furchtbare Funde“. Falls ihr noch weitere Argumente für den Kauf braucht, verlinke ich hier einige Rezensionen zu den Einzelbänden:

Also – auf geht’s: Jetzt zuschlagen!

Cthuloide Referenzen in „The Elder Scrolls“

Aus der beliebten Reihe „Cthuloide Referenzen in …“ (Teil 1: Kingdom of Loathing). Diesmal: The Elder Scrolls (TES), die Computerspielreihe bestehend aus (vor allem) Arena, Daggerfall, Morrowind, Oblivion und Skyrim. Infos zur Reihe und zu allem anderen finden sich z.B. im TES Wiki. Disclaimer: ich bin kein TES-Experte, habe Daggerfall irgendwann um 2008 herum entnervt aufgegeben, Morrowind bei Erscheinen durchgespielt und erst dieses Jahr erst Skyrim und dann Olivion erkundet. Daher bin ich für Ergänzungen, Korrekturen und Co. sehr offen und dankbar!

Was ist TES?

Bei „The Elder Scrolls“ handelt es sich um ein Erzähluniversum, in dem diverse PC-Spiele angesiedelt sind. Ich kenne nur einige Titel, weder die Travels-Reihe noch TES Online; zu diesen Titeln kann ich daher wenig sagen. Laut Wikipedia erschienen die Spiele zu folgenden Terminen:

Wo kommt der Mythos vor?

Der Mythos kommt nie explizit vor; er wird ab und an referenziert und stand ab und an offenbar Pate.

  1. Where spirits have lease: Eine Interpretation des Charles Dexter Ward-Plots. (Wiki)
  2. Shadow over Hackdirt: Die wohl offenbarste Anspielung stellt die Oblivion-Quest Shadow over Hackdirt dar. Der Esoteric Order of Dagon heißt hier Chapel of the Brethren, er verehrt Deep Ones und hat etwas gegen Fremde; sogar einen „Raid on Hackdirt“ gab es wohl: Die Legion brannte das Dorf nieder. (Wiki)
  3. Alpträume in Morrowind: Sowohl Spieler wie auch NSCs werden von merkwürdigen Träumen Dagoth-Urs verführt. Ein Mittel aus Cthulhus (und anderer) Giftküche … (forum)
  4. Morrowind: Vor den Ereignissen in Morrowind schlummert besagter Dagoth-Ur in den Tiefen eines Vulkans vor sich hin … (forum)
  5. Nicht-euklidische Geometrie in Morrowind: (forum)
  6. Die Hist erinnern an Dark Youngs.
  7. In Skyrim finden wir eine Quest, die in ihrem Verlauf immer wieder an HPLs Rats in the Wall erinnert.
  8. Das „Oghma Inifnium“, ein mächtiges magisches Buch und Quest-Belohnung des Daedra-Prinzen Hermaeus Mora, ist möglicherweise vom Necronomicon inspiriert: „The hide cover of the tome maybe a reference to the Necronomicon. […] Reading the Necronomicon presumably grants the reader with extreme knowledge, similar to the Oghma Infinium.“ (wiki)
  9.  Daedrafürsten:
    1. Mehrunes Dagon (DAGON!): Der Daedra-Prinz der Zerstörung, Veränderung und Verwandlung erinnert vor allem aufgrund seines Namens an Cthulhus Statthalter Dagon. (Lovecraft hat sich aber bei diesem Namen wohl auch vom Alten Testament inspirieren lassen.)
    2. Hermaeus Mora: Der Daedra-Prinz des Wissens und Erinnerns wird häufig als amorphe Masse mit Tentakeln dargestellt und erinnert sowohl an Yog-Sothoth wie auch an Shoggoths. Seine Bibliothek in Apocrypha erinnert an R’lyeh (oder eine Stadt der großen Rasse?). Die ihm geweihte Maske Miraak erinnert ebenfalls an tentakelige cthuloide Kultisten. (Wiki)
    3. Sheogorath: Spekulationen über den Namen bieten sich an, allen voran die Ähnlichkeit zu Shoggoths. Sheogorath ist der Daedra-Prinz des Wahnsinns. (Anmerkung: Im nächsten Teil dieser Serie wende ich mich wohl den Parallelen von Mythos und der Dämonenwelt von DSA zu – Sheogorath erinnerte mich nämlich auch sehr an Amazeroth, den aventurischen Erzdämon des verbotenen Wissens und Wahns, auch wenn die Exzesse Manias eher an Belkelel gemahnen.)
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Hermaeus Mora im TES-Wiki.

Wochenendlektüre: Houellebecq und Lovecraft

Wochenendlektüre: Houellebecq und Lovecraft

Ich hoffe, ihr habt ein wenig Zeit mitgebracht. Wenn euch interessiert, wie Michel Houllebecqs Begeisterung für Lovecraft, die Rassismus-Vorwürfe gegen beide Literaten, Nihilismus, Cosmicism und religiöser Fundamentalismus zusammenhängen könnten, sei euch dieser Artikel im Lovecraftezine von Paul St John Mackintosh empfohlen.

Spannend wird es, wo wir an die aktuellen Diskussionen um Houellebecq anschließen können und auch noch Nietzsche ins Spiel kommt. Mackintosh schreibt:

Lovecraft’s cosmicism is now classed under one of the literary offshoots of existential nihilism. And Ligotti rightly links this to Nietzsche, who as he says, “not only took religious readings of life seriously enough to deprecate them at great length, but was hellbent on replacing them with a grander scheme of goal-oriented values and a sense of purpose that, in the main, even nonbelievers seem to thirst for.” And after an early flirtation with nihilistic atheism, Houellebecq seems to be following precisely that path – so long as he can get in a few hits on French secular rationalism and the Enlightenment in the process. “Atheism and secularism are dead, so is the French republic,” he proclaims, “More and more people can’t stand living without God.”

Da haben wir wieder dieses antiaufklärerische Moment, das mich bei Houellebecq immer gestört – und verwundert hat, denn seine Bücher regen ja durchaus zu „aufklärerischer“ Auseinandersetzung an, egal, was da nun im Wortlaut steht.

Da beim Charlie-Hebdo-Attentat Bernard Maris, ein enger Freund Houellebecqs, ums Leben kam, und zeitgleich sein neuer Roman „Soumission“ (dt. „Unterwerfung“) auf den Markt kam, ist der französische enfant terrible gerade in aller Munde und auch bei der SZ im Interview. Da bietet sich das Bild eines Menschen, der über kein wirklich kohärentes Weltbild verfügt:

Gespräche mit Houellebecq sind grotesk und zugleich angenehm. Grotesk, weil er so schrullig ist. Er kaut seine Zigaretten mehr, als dass er sie rauchen würde, der Filter ist nach wenigen Zügen komplett zerquetscht. Er fährt sich im Auge rum, stößt seltsame Laute aus, so als sei inwendig etwas verrostet, und er empfängt in der Hochwasserhose vom vorhergehenden Abend, nur dass sie jetzt über und über mit Zahnpasta bespritzt ist. Aber er ist ausnehmend freundlich, uneitel, ruhig und im Verlag schwärmen sie alle, wie unkompliziert es mit ihm sei.

M.H.: Aber die Aufklärung hat den Menschen die Religion genommen. Und es geht nicht ohne Religion.

SZ: Sind Sie denn selbst gläubig?

M.H.: Nein, das ist ja das Tragische. Ich versuche es immer wieder. Seit ich 13 bin, denke ich, das Universum ist so unfassbar – es kann doch nicht sein, dass das alles einfach so da ist. Aber es gelingt mir trotzdem nicht, zu glauben.

[…]

SZ: [Sie haben den Koran in einem Gerichtsverfahren als der Bibel unterlegen bezeichnet, weil diese wenigstens stellenweise Poesie enhalte.] Würden Sie das heute auch noch sagen?

Überhaupt nicht. Ich habe mittlerweile den Koran gelesen, hat mir gut gefallen.

Das wiederum passt ja ganz gut dazu, wie Antiaufklärer gewöhnlich argumentieren – ohne Basis. Jedenfalls bin ich nach diesen Artikeln auch nur bedingt schlauer, was ich von Houellebecq halten soll, aber die Lektüre hat sich gelohnt.

PS: Houellebecqs Essay „Gegen die Welt, gegen das Leben“ über Lovecrafts Weltsicht und Spleens ist weiterhin eine dringende Lektüreempfehlung. Es ist etwas schwer, an das deutsche Büchlein heranzukommen – Amazon listet Ausgaben ab 50 Euro für 130 Seiten –, aber es lohnt sich. Staatsbibliotheken sind eine gute Adresse. (Das Exemplar der Münchner Stabi liegt gerade bei mir, mea culpa.)

(c) Coverbild: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl. // License.

Traumlande-Gewinnspiel: Gewinnt cthuloide Preise!

Traumlande-Gewinnspiel: Gewinnt cthuloide Preise!

Falls es jemand (wie ich bis gerade eben) noch nicht mitbekommen hat: Auf nerdlich.org gibt es eine Reihe von Preisen zu gewinnen, von der Die Farbe-DVD übers Traumlande-Shirt bis zu einer HPL-Gesamtausgabe. Teilnahme erfolgt über das Posten eines HPL-Zitats. Wer dazu Anregung braucht oder sich von Lovecraft inspirieren lassen will, findet zahllose Quotes auf Wikiquote!

Lovecraft in Real Life: Der todlose Chinese

Lovecraft lässt grüßen: Wer erinnert sich nicht an die Zeile

Deren Überreste, so habe der todlose Chinese ihm gesagt, könne man noch als zyklopische Steine auf Inseln im. Pazifik finden.

aus Cthulhus Ruf? Der kosmische Horror hat die Gegenwart natürlich längst eingeholt:

Seit über 75 Jahren ist der Körper des 1927 verstorbenen Hambo Lama Daschi-Dorsho Iltigelows nahezu unverändert erhalten. Wissenschaftler, die ihn untersucht haben, sind ratlos. Der Leichnam des Lama ist in all den Jahrzehnten nicht verwest, was allen Gesetzen der Natur widerspricht. (Pravda TV)

Fragt sich natürlich, wieso sich einer der „deathless Chinamen“ Lovecrafts überhaupt finden lassen sollte.

PS: Wer sich dem Phänomen etwas skeptischer nähern möchte, findet dazu im GWUP-Blog Anregungen.

Cthuloide Referenzen in „Kingdom of Loathing“

Das hier ist ja ein Rollenspielblog, daher sollte es niemanden wundern, dass der Autor a) auch gerne digitale Rollenspiele spielt und b) gerade auf besonders nerdige Dinge abfährt. Perfekt vereint ist das in „Kingdom of Loathing“, einem textbasierten, mit Strichmännchen und tausenden Anspielungen garnierten MMORPG.

Berufenere Autoren als ich haben erklärt, warum man KoL spielen muss – etwa John Borwick. Der Artikel ist auf Englisch verfasst, aber wen das schreckt, der sollte von KoL ohnehin die Finger lassen. Ordentliche Englischkenntnisse sind obligatorisch, um an KoL Spaß zu haben.

Als kleinen Anreiz, da mal reinzugucken, liste ich hier meine liebsten Referenzen des Cthulhu-Mythos auf:

  1. C’thgn’frg, the Elder Chef of The Crimboween Spooky Cafe, der spricht wie HPL schreibt und aussieht wie Cthulhu nach zu viel Vault of Doom.
  2. Shub-Jigguwatt, Elder God of Violence.
  3. High priest of Ki’rhuss, der aussieht wie der stereotype Kultist.
  4. The Cooler Out of Space.
  5. Das Cookie-baking Thing from Beyond Time.
  6. Ia Kermithulhu! Ph’nglui mglw’nafh Kermithulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn! Fhtagn katamari damashi’i!„, den Ausruf einer Gruppe Lobster-Frgmen im Non-Combat-Adventure The Wake-Up Call of Kermithulhu.
  7. Herman East, Relivinator und Reanimated Reanimator.
  8. The Necbronomicon und Necrotelicomnicon.
  9. Das Necbromancer Tattoo, das aussieht wie ein Gelbes Zeichen.
  10. Lurking at the Threshold, endlich mal Derleth!
  11. Pokëmann figurine #0779: Shoggoth.
  12. Ein ganzer Raum auf dem Bugbear-Mothership.
  13. “ I’m going to take the Lovecraft Escape Clause here, and say that the smell is impossible to describe, and if I described it we’d both go instantly insane.“, im Beschreibungstext zu Guanified.
Was es sonst noch so gibt:
  • Anspielungen auf Literaten von Poe bis Lem.
  • Noch viel mehr Anspielungen auf alles, was ihr euch vorstellen könnt.
  • Einen Vertrauten, der Grim Tales in Anlehnung an die Märchen der Gebrüder Grimm vorliest.
  • Eine Beschwörungskammer, in der man Dämonen für kleinere und größere Buffs beschwören kann.
  • Booze, Food and Spleen.
  • Tattoos.
  • Tausend (?) Spiele in einem.
  • Die Chance, eine Museumsvitrine (u.a. mit Sammelfiguren veschiedener „Systeme“) zu bestücken
  • und einen Shop zu eröffnen:

bapadebupi

Lust bekommen, zu spielen?

Ressourcen:

 

Mein HPL-Vortrag letztes Jahr

Soeben stolpere ich in meinen alten Evernote-Notizen über die Dateien zu meinem HPL-Vortrag, den ich vor einem Jahr vor der GKPN hielt und der es sogar in die Zeitung schaffte.

Lovecraft zu den aktuellen Lebensmittelskandalen

Der Legende nach begann alles mit einer Platte verdorbener Meeresfrüchte. Dass uns heute aus dem Kino, aus Comics, von Plattencovern und sogar aus den Schachteln von Lego-Bausätzen Tentakel entgegenschlagen, liegt einzig und allein daran, dass ein sensibler Sonderling aus Neu-England vor mehr als einem Jahrhundert mal etwas Falsches gegessen hat. […] Dass er sich zeit seines Lebens nicht mehr von der entstandenen Übelkeit erholte, ist gesichert. „Von frühester Jugend an war mir jede Form von Fisch, Weich- oder Krustentieren ein Brechmittel“, schreibt Lovecraft in einem seiner Briefe.

19th Century Fish People Portraits No.42 – Original Art @ etsy

Sehr sympathisch – ich mag auch keinen Fisch. Unbedingt diesen zwei Jahre alten Artikel im Tagesspiegel lesen! Totholzmedien können manchmal doch was.

Bewegtbild zum Sonntag: Dokumentationen

Für einen bildungsreichen und unterhaltsamen Sonntag drei Doku-Hinweise. Sofern auf Youtube verfügbar, habe ich die Videos eingebunden. Die Überschriften führen zu Amazon.com – komfortable Bezugswege fehlen leider, bei Amazon.de kostet die DVD von Fear of the Unknown etwa 113.- gebraucht. Quelle dieser Linksammlung war ein Posting auf YSDC.

The Eldritch Influence: The Life, Vision and Phenomenon of H. P. Lovecraft

Eine nette Doku von 82 Minuten. Zu Wort kommen etwa S.T. Yoshi, Neil Gaiman und viele andere – und die wesentlichen biographischen Themen und Motive von HPLs Werken werden angesprochen. An den Klassiker kommt sie jedoch nicht ran:

Lovecraft: Fear of the Unknown

Nur der Vollständigkeit halber aufgeführt, denn diese Doku sollte jeder HPL-Interessierte kennen. Zum Setting in Deutschland der Zwanziger:

Die Zwanziger Jahre

Auf diese Doku bin ich vor einigen Tagen gestoßen, weiß aber beim besten Willen nicht mehr, wo. Neben den politischen Vorgängen steht die Kultur der Zwanziger im Vordergrund. Die Dokumentation bringt zumindest teilweise auch recht gut Stimmung und Atmosphäre der „Wilden Zwanziger“ ebenso wie der Rezessionszeit rüber.

In diesem Sinne viel Spaß und einen schönen bildungsreichen Sonntag!