ARG: „Legenden von Andor“

Disclaimer: Dieser Artikel hat nur sehr lose etwas mit Rollenspiel zu tun: Es geht um ein Rabbit Hole, das ich heute im Briefkasten fand. Worum es sich bei Rabbit Holes handelt, was ein ARG ist etc.pp. kann man u.a. der zehnten Folge des Plotsprengers (und den dort verlinkten Seiten) entnehmen. Dass ARGs bei uns schon öfter Thema waren, ist der Grund, warum ich hier berichte: Heute fiel der Startschuss, ergo bietet sich nun auch allen ARG-Interessierten, die kein Päckchen erhielten, die Möglichkeit, ein ARG live mitzuverfolgen.

Update: Anscheinend geht es doch nicht um „Die Schatten kommen“ sondern um „Legenden von Andor“. Das Impressum hat mich einigermaßen erfolgreich verwirrt.

Heute früh befand sich in meiner Post eine kleine, genietete Pappschachtel folgenden Inhalts:


Der Profi erkennt sofort: Es handelt sich hier um den Einstieg in ein Alternate Reality Game. Eine erste Recherche führte mich zu einem Foreneintrag auf glamour.de, über den ich u.a. auf eine FB-Gruppe zur Spurensuche und eine Intime-Website stieß. Ich habe die dortigen Institutsmitarbeiter bereits angeschrieben, von der verschwundenen Josephine Martenstein bekam ich sofort eine Abwesenheitsnachricht, auf die Antworten der Professoren warte ich noch. Das Verschwinden belegt neben einer Anzeige auf ImageShack ein Zeitungsartikel, den ich mit Hilfe dieses sehr empfehlenswerten Online-OCR-Converters eingelesen habe:

Suchaktion erfolgslos abgebrochen — junge Archäologin gilt weiterhin als vermisst.

POTSDAM — Auch die letzte großangelegte Suchaktion am Donnerstag im Potsdamer Forst verlief erfolglos. Neben einem 30-köpfigen Suchtrupp setzten die Behörden auch Suchhunde und einen Helikopter ein. Die 29-jährige Archäologin wurde vor 10 Tagen von ihrem Arbeitgeber — dem archäologischen Institut Brandenburg — als vermisst gemeldet, nachdem sie bereits mehrere Tage lang nicht zur Arbeit erschienen war. Josephine Martenstein gilt als verlässlicher Charakter und versierte Archäologin, die zur Zeit im Berliner Umland mit Ausgrabungen keltischer Kultstätten beschäftigt war. Der keltische Einfluss in unserer Region ist umstritten und aus diesem Grund hatte Frau Martenstein ihre Grabungsstellen aus Schutz vor Grabräubern niemanden kommuniziert. Das könnte ihr jetzt zum Verhängnis geworden sein. Die Polizei geht von einem Unfall während Set. Grabung aus. Die Bevölkerung, besonders Waldgänger, werden um Hinweise gebeten. ARF

Die Polizei bittet um Hinweise Haben Sie diese Frau gesehen?

Fragen über Fragen: Was bedeuten die Runen, die sich auch in einem Dokument bei Docs finden, das Josephine hochgeladen hat? Wer ist der Autor ARF des Artikels? Wo ist Josephine? Und was hat das Ganze mit dem Buch „Die Schatten kommen“ zu tun, das bereits mit einer „Kaninchenproduktion„, einem Geocaching-Event, beworben wurde – und nun offenbar mit einem ARG? Oder geht es doch um die Legenden von Andor, wie auf FB vermutet wird? Die Sache wird spannend …

Plotsprenger #10: Alternate Reality Games

In dieser Folge hat mich Domi zum Thema Alternate Reality Games interviewed. Viel mehr gibts auch nicht zu sagen, hört euch meine unzusammenhängenden Gedanken an und stellt weitere Fragen – Anlass für den Podcast zu diesem Thema war schließlich Greifenklaues Frage in diesem Kommentar.

Und hier zur Datei.

Weblinks:

In eigener Sache: Warum ich hier mit einem „falschen“ Account kommentiert habe

Lustige Sache: Irgendwann im Mai kommentierte ich hier unter dem Account ikarusTLG. Und das führte zu massivem Fluchen meinerseits, bis ich es rückgängig gemacht hatte – was nichts daran änderte, dass alle eMail-Abonnenten den komischen namen in ihrem Posteingang gefunden haben dürften.

Was war passiert? Meine Projektorganisation hatte versagt. IkarusTLG ist nämlich das Blog eines Charakters in dem Alternate Reality Game „Findet Jonathan!“, das ich zusammen mit zwei Freundinnen für den KOSMOS-Verlag auf die Beine gestellt hatte.

Wer sich mal mit ARG – die sich von Rollenspielen übrigens vor allem darin unterscheiden, das die Spieler keine Charaktere übernehmen, sondern sich selbst spielen – befasst hat, weiß, wie sakrosankt die Immersion in solchen Spielen ist. Der Grundsatz lautet nicht umsonst: This is not a game! Als Puppet Master sollte man kein falschen Hinweise streuen, etwa durch dämliches Kommentieren im eigenen Blog, während man unter einem spielrelevanten Account eingeloggt ist.

Auf die geniale Idee, einfach einen anderen Browser für die Pflege des Ingame-Blogs und anderer Ingame-Kanäle wie die zentrale Facebook-Site zu verwenden, kam ich übrigens erst diese Woche, als ich den Fehler tatsächlich nochmal beging. Ich bin halt lernresistent …

[Eigenwerbung] Das Spiel  ist seit dieser Woche vorbei – vorher wollte ich auch nicht auf die Hintergründe meiner „Fehlpostings“ eingehen. Es diente übrigens der Verbreitung der Jugendkrimi-Reihe Disconnected, für die wir auch einen Trailer produziert hatten und nun eine Leserunde auf der Plattform Lovelybooks veranstalten. Der Trailer, den ich der RPG-Blogosphäre aus Gründen schamloser Eigenwerbung nun zumute:

[/Eigenwerbung]

Entschuldigt also eventuelle Verwirrnisse. Den Spielern fiel jedenfalls nichts auf – ergo bin ich als Puppet Master aus dem Schneider. Rückfragen willkommen, wer sich näher mit ARGs auseinander setzen möchte:

Alternate Reality Games: Irgendwie auch ein RPG-Genre

Alternate Reality Gaming is, according to CNET, „…an obsession-inspiring genre that blends real-life treasure hunting, interactive storytelling, video games and online community…

[…]

These games (which are usually free to play) often have a specific goal of not only involving the player with the story and/or fictional characters but of connecting them to the real world and to each other. Many game puzzles can be solved only by the collaborative efforts of multiple players, sometimes requiring one or more players to get up from their computers to go outside to find clues or other planted assets in the real world. (What is an ARG?)

ARGs haben ein bisschen was von Rollenspiel, teilweise auch von Live-Rollenspiel, sie haben etwas von de profundis, weil sie über Briefe und andere Fernkommunikation gespielt werden (können), und sie sind ein interessantes Medium, fürs Storytelling wie auch fürs Marketing. Letztere Funktion habe ich auch in meiner Bachelorarbeit analysiert.

In Deutschland dominiert den (kleinen) ARG-Markt zumindest nach meiner Wahrnehmung das Unternehmen vm-people, mit dessen Geschäftsführer ich ein längeres Interview für genannte Arbeit geführt habe.

Bei der Gelegenheit habe ich mich natürlich auch gleich bei der ARG-Portalseite folge-dem-kaninchen.de registriert – und bin nun offenkundig in ein Alternate Reality Game geraten.

Was bislang bekannt ist findet sich im Argreporter-Forum und im Blog. Bei Google Docs gibt es ein Dokument, das die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Postsendungen sammelt, um Muster zu erkennen. Es geht in jedem Falle um den „Herrn deiner Angst“ – man darf gespannt sein, wann die Website mehr hergibt als ein bedrohliches Augenmotiv. (Die Augen deuten ja fast darauf hin, dass es wieder um einen Fitzek geht.)

Eigentlich verwundert es mich ein wenig, dass noch kein Rollenspiel-Verlag Produkte mit ARGs bewirbt. Bei einem nicht-realen oder zeitversetzten Setting ist der Grundsatz „This Is Not A Game“ zwar nicht richtig umzusetzen, dafür haben Rollenspieler die nötige Fantasie, um dennoch Immersion aufkommen zu lassen. Wo bleiben die ARGs von Pegasus und Ulisses? (Zum Untotenband wäre doch ein ARG mit einem Zombiewalk-Finale sehr passend gewesen …)