Deutsche Lovecraft-Gesellschaft

Deutsche Lovecraft-Gesellschaft
Logo und Headergrafik http://deutschelovecraftgesellschaft.de/
Logo und Headergrafik http://deutschelovecraftgesellschaft.de/

Die Sterne stehen richtig für einen neuen Verein am Himmel: Die Deutsche Lovecraft-Gesellschaft (Facebook) öffnet die Pforten des Grauens. Die Kultmitgliedschaft, die auch ein Abo von „Cthulhus Ruf“ beinhaltet, kostet 30 Euro pro Jahr. (Damit gibt es auch endlich eine Abonnement-Lösung für CR!) Weitere Rahmendaten und Leistungen:

Zunächst einmal dient der Verein seiner gemeinnützigen Natur nach der Förderung (monetär und/oder per Öffentlichkeitsarbeit) lovecraftscher Projekte, und das crossmedial. Wir werden in nächster Zeit über eines dieser Projekte berichten. Des Weiteren wird es mindestens eine Veranstaltung des Vereins pro Jahr geben; im Jahr 2015 war dies die AnRufung, 2016 werden dies der „Gatsby“ und als Kooperationsveranstaltung die DCC/AnRufung 2016 sein. Einige dieser Veranstaltungen werden exclusiv für Vereinsmitglieder sein, andere mit Spezialkonditionen für Mitglieder, soweit finanzierbar. Einmal jährlich wird auch eine Mitgliederversammlung stattfinden, u.a. mit Einblick in die Vereinsfinanzen. Als Vereinsmagazin ist Cthulhus Ruf in der Mitgliedschaft übrigens mit inbegriffen! Zuletzt aber das wichtigste: Ein Verein lebt von den Aktivitäten seiner Mitglieder!

Cthuloide Referenzen in „The Elder Scrolls“

Aus der beliebten Reihe „Cthuloide Referenzen in …“ (Teil 1: Kingdom of Loathing). Diesmal: The Elder Scrolls (TES), die Computerspielreihe bestehend aus (vor allem) Arena, Daggerfall, Morrowind, Oblivion und Skyrim. Infos zur Reihe und zu allem anderen finden sich z.B. im TES Wiki. Disclaimer: ich bin kein TES-Experte, habe Daggerfall irgendwann um 2008 herum entnervt aufgegeben, Morrowind bei Erscheinen durchgespielt und erst dieses Jahr erst Skyrim und dann Olivion erkundet. Daher bin ich für Ergänzungen, Korrekturen und Co. sehr offen und dankbar!

Was ist TES?

Bei „The Elder Scrolls“ handelt es sich um ein Erzähluniversum, in dem diverse PC-Spiele angesiedelt sind. Ich kenne nur einige Titel, weder die Travels-Reihe noch TES Online; zu diesen Titeln kann ich daher wenig sagen. Laut Wikipedia erschienen die Spiele zu folgenden Terminen:

Wo kommt der Mythos vor?

Der Mythos kommt nie explizit vor; er wird ab und an referenziert und stand ab und an offenbar Pate.

  1. Where spirits have lease: Eine Interpretation des Charles Dexter Ward-Plots. (Wiki)
  2. Shadow over Hackdirt: Die wohl offenbarste Anspielung stellt die Oblivion-Quest Shadow over Hackdirt dar. Der Esoteric Order of Dagon heißt hier Chapel of the Brethren, er verehrt Deep Ones und hat etwas gegen Fremde; sogar einen „Raid on Hackdirt“ gab es wohl: Die Legion brannte das Dorf nieder. (Wiki)
  3. Alpträume in Morrowind: Sowohl Spieler wie auch NSCs werden von merkwürdigen Träumen Dagoth-Urs verführt. Ein Mittel aus Cthulhus (und anderer) Giftküche … (forum)
  4. Morrowind: Vor den Ereignissen in Morrowind schlummert besagter Dagoth-Ur in den Tiefen eines Vulkans vor sich hin … (forum)
  5. Nicht-euklidische Geometrie in Morrowind: (forum)
  6. Die Hist erinnern an Dark Youngs.
  7. In Skyrim finden wir eine Quest, die in ihrem Verlauf immer wieder an HPLs Rats in the Wall erinnert.
  8. Das „Oghma Inifnium“, ein mächtiges magisches Buch und Quest-Belohnung des Daedra-Prinzen Hermaeus Mora, ist möglicherweise vom Necronomicon inspiriert: „The hide cover of the tome maybe a reference to the Necronomicon. […] Reading the Necronomicon presumably grants the reader with extreme knowledge, similar to the Oghma Infinium.“ (wiki)
  9.  Daedrafürsten:
    1. Mehrunes Dagon (DAGON!): Der Daedra-Prinz der Zerstörung, Veränderung und Verwandlung erinnert vor allem aufgrund seines Namens an Cthulhus Statthalter Dagon. (Lovecraft hat sich aber bei diesem Namen wohl auch vom Alten Testament inspirieren lassen.)
    2. Hermaeus Mora: Der Daedra-Prinz des Wissens und Erinnerns wird häufig als amorphe Masse mit Tentakeln dargestellt und erinnert sowohl an Yog-Sothoth wie auch an Shoggoths. Seine Bibliothek in Apocrypha erinnert an R’lyeh (oder eine Stadt der großen Rasse?). Die ihm geweihte Maske Miraak erinnert ebenfalls an tentakelige cthuloide Kultisten. (Wiki)
    3. Sheogorath: Spekulationen über den Namen bieten sich an, allen voran die Ähnlichkeit zu Shoggoths. Sheogorath ist der Daedra-Prinz des Wahnsinns. (Anmerkung: Im nächsten Teil dieser Serie wende ich mich wohl den Parallelen von Mythos und der Dämonenwelt von DSA zu – Sheogorath erinnerte mich nämlich auch sehr an Amazeroth, den aventurischen Erzdämon des verbotenen Wissens und Wahns, auch wenn die Exzesse Manias eher an Belkelel gemahnen.)
Hermaeus Mora
Hermaeus Mora im TES-Wiki.

Wochenendlektüre: Houellebecq und Lovecraft

Wochenendlektüre: Houellebecq und Lovecraft

Ich hoffe, ihr habt ein wenig Zeit mitgebracht. Wenn euch interessiert, wie Michel Houllebecqs Begeisterung für Lovecraft, die Rassismus-Vorwürfe gegen beide Literaten, Nihilismus, Cosmicism und religiöser Fundamentalismus zusammenhängen könnten, sei euch dieser Artikel im Lovecraftezine von Paul St John Mackintosh empfohlen.

Spannend wird es, wo wir an die aktuellen Diskussionen um Houellebecq anschließen können und auch noch Nietzsche ins Spiel kommt. Mackintosh schreibt:

Lovecraft’s cosmicism is now classed under one of the literary offshoots of existential nihilism. And Ligotti rightly links this to Nietzsche, who as he says, “not only took religious readings of life seriously enough to deprecate them at great length, but was hellbent on replacing them with a grander scheme of goal-oriented values and a sense of purpose that, in the main, even nonbelievers seem to thirst for.” And after an early flirtation with nihilistic atheism, Houellebecq seems to be following precisely that path – so long as he can get in a few hits on French secular rationalism and the Enlightenment in the process. “Atheism and secularism are dead, so is the French republic,” he proclaims, “More and more people can’t stand living without God.”

Da haben wir wieder dieses antiaufklärerische Moment, das mich bei Houellebecq immer gestört – und verwundert hat, denn seine Bücher regen ja durchaus zu „aufklärerischer“ Auseinandersetzung an, egal, was da nun im Wortlaut steht.

Da beim Charlie-Hebdo-Attentat Bernard Maris, ein enger Freund Houellebecqs, ums Leben kam, und zeitgleich sein neuer Roman „Soumission“ (dt. „Unterwerfung“) auf den Markt kam, ist der französische enfant terrible gerade in aller Munde und auch bei der SZ im Interview. Da bietet sich das Bild eines Menschen, der über kein wirklich kohärentes Weltbild verfügt:

Gespräche mit Houellebecq sind grotesk und zugleich angenehm. Grotesk, weil er so schrullig ist. Er kaut seine Zigaretten mehr, als dass er sie rauchen würde, der Filter ist nach wenigen Zügen komplett zerquetscht. Er fährt sich im Auge rum, stößt seltsame Laute aus, so als sei inwendig etwas verrostet, und er empfängt in der Hochwasserhose vom vorhergehenden Abend, nur dass sie jetzt über und über mit Zahnpasta bespritzt ist. Aber er ist ausnehmend freundlich, uneitel, ruhig und im Verlag schwärmen sie alle, wie unkompliziert es mit ihm sei.

M.H.: Aber die Aufklärung hat den Menschen die Religion genommen. Und es geht nicht ohne Religion.

SZ: Sind Sie denn selbst gläubig?

M.H.: Nein, das ist ja das Tragische. Ich versuche es immer wieder. Seit ich 13 bin, denke ich, das Universum ist so unfassbar – es kann doch nicht sein, dass das alles einfach so da ist. Aber es gelingt mir trotzdem nicht, zu glauben.

[…]

SZ: [Sie haben den Koran in einem Gerichtsverfahren als der Bibel unterlegen bezeichnet, weil diese wenigstens stellenweise Poesie enhalte.] Würden Sie das heute auch noch sagen?

Überhaupt nicht. Ich habe mittlerweile den Koran gelesen, hat mir gut gefallen.

Das wiederum passt ja ganz gut dazu, wie Antiaufklärer gewöhnlich argumentieren – ohne Basis. Jedenfalls bin ich nach diesen Artikeln auch nur bedingt schlauer, was ich von Houellebecq halten soll, aber die Lektüre hat sich gelohnt.

PS: Houellebecqs Essay „Gegen die Welt, gegen das Leben“ über Lovecrafts Weltsicht und Spleens ist weiterhin eine dringende Lektüreempfehlung. Es ist etwas schwer, an das deutsche Büchlein heranzukommen – Amazon listet Ausgaben ab 50 Euro für 130 Seiten –, aber es lohnt sich. Staatsbibliotheken sind eine gute Adresse. (Das Exemplar der Münchner Stabi liegt gerade bei mir, mea culpa.)

(c) Coverbild: Mariusz Kubik, http://www.mariuszkubik.pl. // License.

Traumlande-Gewinnspiel: Gewinnt cthuloide Preise!

Traumlande-Gewinnspiel: Gewinnt cthuloide Preise!

Falls es jemand (wie ich bis gerade eben) noch nicht mitbekommen hat: Auf nerdlich.org gibt es eine Reihe von Preisen zu gewinnen, von der Die Farbe-DVD übers Traumlande-Shirt bis zu einer HPL-Gesamtausgabe. Teilnahme erfolgt über das Posten eines HPL-Zitats. Wer dazu Anregung braucht oder sich von Lovecraft inspirieren lassen will, findet zahllose Quotes auf Wikiquote!

Shadow Bound: Folgt Pickman in diesem cthuloiden Stummfilm!

Ich bin sehr begeistert von Shadow Bound. Dabei handelt es sich um eine erzählerisch ungewöhnliche Lovecraft-Adaption: Schwarz-weiß, ohne Ton und nur mit 20er-typischen, expressiven Charakteren bestückt, erzählen die fünf 20minütigen Episoden die Geschichte des Schriftstellers Jack Pickman (!). Jack kehrt nach dem Suizid seines Vaters Richard U. Pickman (!!!) in das verschlafene Heimatnest Veritas zurück. (Überhaupt spielen Latinismen eine große Rolle, schon bei den Titeln der Episoden.) Und dort geht natürlich nicht alles mit rechten Dingen zu …

Die Episoden gibt es auf DVD und kostenlos auf Youtube. Guck-Befehl fürs Wochenende!

[Kickstarter] Cthulhu Ouija Board

[Kickstarter] Cthulhu Ouija Board

Cthulhu Project, die Macher hinter der kleinen Cthulhu-Statue, die im Büro meine Zigaretten hält, haben ein neues Kickstarter-Projekt gelauncht: Ein Ouija-Board ist ab ca. 65 Euro erhältlich. Die handwerkliche Qualität der Statuette hat mich überzeugt – sie überlebte sogar, dass eine Kollegin den Großen Alten auf den Boden rollen ließ.

Limited Edition Cthulhu talking board with a unique sculpted & hand-painted planchette… communicate with Cthulhu through his dreams!

A limited edition collector's product for our backers: a board to communicate with Cthulhu himself from the depths of R'lyeh!
A limited edition collector’s product for our backers: a board to communicate with Cthulhu himself from the depths of R’lyeh!

PS: Ja, mich kann man recht leicht als Backer gewinnen, wenn man einfach irgendwo in den Text „Cthulhu“ schreibt. Ich finde einfach, es gibt noch viel zu wenig cthuloide Produkte! Die Großen Alten sollten überall sein! Iä!

Lovecraft in Real Life: Der todlose Chinese

Lovecraft lässt grüßen: Wer erinnert sich nicht an die Zeile

Deren Überreste, so habe der todlose Chinese ihm gesagt, könne man noch als zyklopische Steine auf Inseln im. Pazifik finden.

aus Cthulhus Ruf? Der kosmische Horror hat die Gegenwart natürlich längst eingeholt:

Seit über 75 Jahren ist der Körper des 1927 verstorbenen Hambo Lama Daschi-Dorsho Iltigelows nahezu unverändert erhalten. Wissenschaftler, die ihn untersucht haben, sind ratlos. Der Leichnam des Lama ist in all den Jahrzehnten nicht verwest, was allen Gesetzen der Natur widerspricht. (Pravda TV)

Fragt sich natürlich, wieso sich einer der „deathless Chinamen“ Lovecrafts überhaupt finden lassen sollte.

PS: Wer sich dem Phänomen etwas skeptischer nähern möchte, findet dazu im GWUP-Blog Anregungen.

H.R. Giger ist tot

H.R. Giger ist tot. Keine schöne Nachricht nach dem Urlaub. Ich habe vor Kurzem erst nach einem Impulskauf des Taschen-Buchs Arh+ nach der Leipziger Buchmesse ein wenig mehr über Giger gelesen. Er hat nicht nur einen Tarot gestaltet, der sich sicher gut am Spieltisch einsetzen lässt (zu Tarot als Fertigkeit bei Cthulhu siehe die aktuelle Ausgabe #5 von Cthulhus Ruf, die ich auf der RPC erstehen konnte). Er hat auch mehrere Werke mit dem Titel „Necronomicon“ versehen sowie ein Cover für „Cthulhu News“ designt, auch wenn ihm in manchen Diskussionen vorgeworfen wird, sich nur oberflächlich mit HPL befasst und einiges komplett missverstanden zu haben.

Cover zu Gigers Necronomicon

Es berichten u.a. Propnomicon und Bienia und die Süddeutsche hat eine Bildergalerie. Ich empfehle auch folgende Doku:

Kurzrezension: Drachenväter

2955b6f5

Drachenväter ist angetreten, crowdgefundet die Geschichte des Rollenspiels zu schreiben. Und trotz Lücken überzeugt das Resultat!

Die Form: Bei Drachenväter handelt es sich um ein 360 Seiten starkes, schön gedrucktes Hardcover mit Schutzumschlag, sehr reich bebildert (ich würde den Bildanteil des Inhalts auf ca. 50% schätzen) und mit Lesebändchen ausgestattet. Nach der Titelei folgt eine Liste der besonders großzügigen Förderer sowie ein Bild, auf dem die drei wichtigsten Sponsoren zu sehen sind. Einer davon: Sascha Lobo, mit leuchtend rotem Iro in nicht ganz klassischer Magier-Gewandung. Damit hatte das Buch mich endgültig für sich gewonnen.

Der Inhalt: Die Rollenspielgeschichte beginnt im alten Preußen, bei Schlachtsimulationen auf Spielbrettern, und bleibt dann bis in die 70er Jahre „charakterloses“ Wargame. Dann bricht DnD in die Geschichte ein – und wirft alles über den Haufen. Die Vorbedingung für DnD war der Fantasy-Boom, der von Howard, Lovecraft, Leiber bis zu Tolkien die Grundideen brachte und die Kaufbereitschaft weckte. Dann wuchs der Markt, es entstanden zahllose Systeme neben DnD, andere Spielformen wie Magic kamen auf – und natürlich das Computer-Rollenspiel.

Dieser Parforceritt ging zu schnell? Genau dafür brauchen wir dieses Buch: Es zeichnet minutiös die Entwicklung insbesondere von DnD nach, das geht so weit ins Detail, dass man die persönlichen Zerwürfnisse von Gary Gygax mit seinen Geschäftsfreunden und die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen an DnD, seinem Vertrieb und seiner Konkurrenz beteiligten Unternehmen erfährt. DnD ist klar das Herzstück des Bandes, auch wenn mehrere große Kapitel über die fantastischen Wurzeln des Genres vorkommen. Ich z.B. war schon immer verwirrt, welcher Steve Jackson (1, 2) nun was getan hat.

Drachenväter analysiert aber auch in umfangreichen Kapiteln, wie es nach Tolkiens Weltenbau zum Aufschwung der Fantasy (von HF bis S&S) kam, welche Rolle Fritz Leiber und Robert Howard hierbei spielten, geht auf HPLs Rolle in SF, Horror und „Storytelling“ ein. Insgesamt kommt mir der Cthulhu-Mythos (oder besser: -Erzählkosmos) ein wenig kurz, aber das liegt vermutlich einfach an mir.

Seit gestern ist Drachenväter zum stolzen Preis von 42.- erhältlich – für RPG-Fans aber jeden Cent wert.