Sebastian Dietz im Interview: Yuggoth Rising und cthuloide Webcomics

Wie bereits gepostet, habe ich Sebastian Dietz bei der Publikation des eComics zu „Yuggoth Rising“ unterstützt.  Käuflich zu erwerben auf Amazon, kompatibel mit allen aktuellen Kindle-Tablets (empfohlen) und -eReadern.

Hallo Sebastian! Wie kamst Du auf die Idee zur Comic-Serie ‚Yuggoth Rising‘?

Gestatte mir, da etwas auszuholen. Natürlich arbeitete ich, bevor ‚Yuggoth Rising‘ erschienen ist, an einer Vielzahl von Projekten, die allesamt nicht gut genug waren, um professionell veröffentlicht zu werden. Und die meisten der Projekte stützten sich ebenfalls auf bestehende Mythen, so zeichnete ich als Abschlussarbeit am Gymnasium eine Hommage an Neil Gaiman’s ‚Sandman‘, und später einen Comic mit dem Titel ‚Satan‘. Das letzte dieser Lernprojekte, bevor mich Undergroundcomix aufnahm, war relativ ähnlich zu ‚Yuggoth Rising‘, also eine mehrteilige Abenteuergeschichte im Cthulhu-Universum.
Damals nahm ich den Plot einer bestehenden Rollenspiel-Kampagne zur Vorlage, eben weil ich mir noch nicht zutraute, eine eigene Story einfach so aus dem Ärmel zu schütteln.
Doch das nagte dann an mir, und so meditierte ich zunehmend über eigene Figuren, Settings und Dialoge. Dieser Prozess hatte etwas Verblüffendes an sich, denn bevor sich das Große und Ganze in meinem Kopf zusammensetzte, war ich mir über bestimmte Szenen und
Dialoge schon ganz detailliert im Klaren. Man könnte sagen, dass sich diese doch sehr vielschichtige und ausladende Geschichte aus ursprünglich zwei bis drei Schlüsselszenen heraus entwickelte. Den Ausschlag gab allerdings eine Arte-Dokumentation über das
Geheimnis der Maya-Schrift, deren frühe Erforscher direkt einem Cthulhu-Szenario entsprungen sein könnten. Damit hatte ich meinen Aufhänger, ein spannendes Setting, historische Bezüge, es passte einfach alles zusammen. Der relativ späte Versuch, selbst zu schreiben, ist meiner großen Ehrfurcht gegenüber den wahren Schriftstellern geschuldet.

Welche Werke aus Literatur, Film und Comic haben Dich inspiriert – außer HPLs Werken selbst?

Zuvorderst war das unbedingt ‚Asterix und Kleopatra‘. Wie sich viele erinnern werden, stand auf dem Cover des Bandes in wenigen Zeilen, wie viele Bleistifte, Radiergummis und Bögen Papier für das Comic gebraucht wurden; als ich realisierte, dass sich all diese Gegenstände in unserem Haushalt befanden, aus kindlicher Begeisterung für die Sache,
beschloss ich, Comic-Zeichner zu werden.
Nun, ganz generell sehe ich mich vom klassischen europäischen Comic inspiriert, mehr noch als vom amerikanischen Untergrund oder der Manga-Welle der Neunziger. All die Serien, welche man in öffentlichen oder schulischen Bibliotheken fand, sie deckten eine große Breite an Genres und Stilen ab, und sie haben mein Verständnis des Mediums geprägt.
Im Speziellen aber finden sich vielerlei Einflüsse in ‚Yuggoth Rising‘ –wohlgemerkt meiner ersten offiziellen Veröffentlichung – manche mehr, manche weniger offensichtlich: Es gibt einen maskierten Rächer, angelehnt an den ‚Shadow‘ der 30er Jahre, ein ungleiches
Detektiv-Duo, wie man es bestimmt schon gesehen hat, die Regierung kollaboriert mit Ausserirdischen über ein ominöses Sternen-Tor. Der aufmerksame Leser wird viele kleine Verbeugungen oder Verweise auf jene Dinge finden, die mir selbst Eindruck gemacht haben, oder in meinen Augen gut funktionieren. Ich denke, die gesamte Struktur und Erzählweise
gemahnt an Alan Moore’s frühe Werke, von ihm habe ich jedenfalls eine Menge lernen können, seit ich das Handwerk ernsthaft betreibe. Und wie es Deine Fragestellung vorwegnahm, war meine mit Abstand grösste Inspiration Howard Phillips Lovecraft.

Wo geht es mit ‚Yuggoth Rising‘ noch hin – als Comic-Projekt und inhaltlich (ohne zuviel zu verraten)?

Nachdem ich mit Paramount die Filmrechte verhandelt habe… Nein, Scherz! Ich zeichne gerade Kapitel Fünf fertig, damit ist mehr als die Hälfte vollbracht, und ein Abbruch aufgrund mangelnden Interesses eher unwahrscheinlich. Ich staunte selbst nicht schlecht, als unser Vertrieb sagte, es lägen Vorbestellungen vor, hatte ich so noch nicht erlebt. Aber das ist natürlich das dringendste Problem: Dass einem bei Projekten dieser Größenordnung nicht auf halbem Weg die Lust vergeht.
Also, die Reihe ist auf neun Kapitel mit ca. 30 Seiten ausgelegt, und inzwischen weiss ich auch aufs Panel genau, wie die Geschichte ausgehen wird, es ist alles fertig durchgeplant. Ich nehme mir regelmässig vor, schneller zu machen, doch dann kommen immer noch Beiträge zur U-COMIX (im Bahnhofsbuchhandel) oder anderen Sammelbänden dazu, so schaffe ich derzeit nicht mehr als einen neuen Band pro Jahr. Bitte um Geduld!
Inhaltlich will man eben nicht zuviel verraten, doch ich verspreche, dass am Ende alles Sinn ergibt, und alles miteinander verknüpft ist. Ich erzähle eine zusammenhängende Geschichte, nicht drei voneinander unabhängige. Dies war ein Kritikpunkt, den frühe Rezensionen aufbrachten, und bis zum Ende des ersten Akts auch nachvollziehbar ist. Cthuloide Monster gibt es erst im vierten Kapitel, und danach wird es nur noch besser. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen.

Welche Ausgaben wird es noch geben? Weitere gedruckte Comics plus eBook-Sammelbände?

Genau, bisher gibt es die Kapitel gedruckt nur einzeln zu kaufen, während das eBook die ersten drei Kapitel in einem Sammelband mit 100 Seiten zusammenfasst. So sind die Leser der Hefte immer eine Nasenlänge voraus, weil Kapitel Vier mittlerweile schon gedruckt erhältlich ist, unter anderem bei der Comic Base Berlin.
Allerdings ist das erste Kapitel nun beinahe ausverkauft, so dass wir sowieso in den Nachdruck gehen müssen, da macht es –logistisch und finanziell- Sinn, den ersten Akt wiederum in einem gedruckten Sammelband zusammenzufassen. Wichtig für alle interessierten Leser: Es handelt sich nicht um austauschbare Episoden, sondern um eine
große Geschichte, die man unbedingt mit dem ersten Band begonnen werden sollte.

Was hast Du sonst noch in der Pipeline?

Mich freut besonders, dass mit der eBook-Veröffentlichung eine exzellente englische Übersetzung des Comics vorliegt, für die ich meinen Mitarbeitern äußerst dankbar bin.
Damit vergrössert sich die potenzielle Leserschaft der Reihe natürlich um ein Vielfaches, und man kann das Werk auch an Lovecraft-Liebhaber in Übersee empfehlen. Sonst versuche ich mich nicht zu sehr zu verzetteln, weil noch ein paar Jahre mit ‚Yuggoth Rising‘ vor mir liegen. Da will man nicht ständig daran denken, was man alles anderes tun könnte. Wenn mir tatsächlich mal eine gute Idee kommt, und ich sie auch nach einem Monat noch gut finde, dann schreibe ich ein kurzes Konzept und mache vielleicht ein paar Skizzen. In meiner Schublade liegen schon drei, vier solcher Konzepte, die ich mir als nächstes –frühestens zum Ende des Jahrzehnts- vornehmen könnte.

Abschliessende Worte an die Kultisten da draussen?

Vielen Dank für das Interesse.

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