Kurzrezension: Drachenväter

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Drachenväter ist angetreten, crowdgefundet die Geschichte des Rollenspiels zu schreiben. Und trotz Lücken überzeugt das Resultat!

Die Form: Bei Drachenväter handelt es sich um ein 360 Seiten starkes, schön gedrucktes Hardcover mit Schutzumschlag, sehr reich bebildert (ich würde den Bildanteil des Inhalts auf ca. 50% schätzen) und mit Lesebändchen ausgestattet. Nach der Titelei folgt eine Liste der besonders großzügigen Förderer sowie ein Bild, auf dem die drei wichtigsten Sponsoren zu sehen sind. Einer davon: Sascha Lobo, mit leuchtend rotem Iro in nicht ganz klassischer Magier-Gewandung. Damit hatte das Buch mich endgültig für sich gewonnen.

Der Inhalt: Die Rollenspielgeschichte beginnt im alten Preußen, bei Schlachtsimulationen auf Spielbrettern, und bleibt dann bis in die 70er Jahre „charakterloses“ Wargame. Dann bricht DnD in die Geschichte ein – und wirft alles über den Haufen. Die Vorbedingung für DnD war der Fantasy-Boom, der von Howard, Lovecraft, Leiber bis zu Tolkien die Grundideen brachte und die Kaufbereitschaft weckte. Dann wuchs der Markt, es entstanden zahllose Systeme neben DnD, andere Spielformen wie Magic kamen auf – und natürlich das Computer-Rollenspiel.

Dieser Parforceritt ging zu schnell? Genau dafür brauchen wir dieses Buch: Es zeichnet minutiös die Entwicklung insbesondere von DnD nach, das geht so weit ins Detail, dass man die persönlichen Zerwürfnisse von Gary Gygax mit seinen Geschäftsfreunden und die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen an DnD, seinem Vertrieb und seiner Konkurrenz beteiligten Unternehmen erfährt. DnD ist klar das Herzstück des Bandes, auch wenn mehrere große Kapitel über die fantastischen Wurzeln des Genres vorkommen. Ich z.B. war schon immer verwirrt, welcher Steve Jackson (1, 2) nun was getan hat.

Drachenväter analysiert aber auch in umfangreichen Kapiteln, wie es nach Tolkiens Weltenbau zum Aufschwung der Fantasy (von HF bis S&S) kam, welche Rolle Fritz Leiber und Robert Howard hierbei spielten, geht auf HPLs Rolle in SF, Horror und „Storytelling“ ein. Insgesamt kommt mir der Cthulhu-Mythos (oder besser: -Erzählkosmos) ein wenig kurz, aber das liegt vermutlich einfach an mir.

Seit gestern ist Drachenväter zum stolzen Preis von 42.- erhältlich – für RPG-Fans aber jeden Cent wert.

3 Gedanken zu “Kurzrezension: Drachenväter

    1. Also zunächst mal ist es deutsch, wenn auch mit einigen unübersetzten englischen Zitaten. Das dürfte für diverse Interessierte ein Argument sein.

      Designers&Dragons habe ich nicht vollständig gelesen – Drachenväter geht auf naturgemäß stärker auf die deutschsprachige Entwicklung ein.

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