Der prachtvolle Ägyptenband

Den Ägypten-Band zu Cthulhu aus dem Pegasus-Verlag sah ich schon Anfang Januar in den Regalen des Nürnberger Ultra Comix liegen. Und natürlich wollte ich ihn sofort haben. 70 Euro erschienen mir dann aber für einen Spontankauf zu viel, und so haderte ich geschlagene zwei Wochen mit mir. Bis ich endlich zugriff und vom Besitzer erfuhr, dass es das letzte Exemplar in seinem Warenbestand war, das er aus der Erlanger in die Nürnberger Filiale „umdisponiert“ hatte. Der Band ist wohl vergriffen, wie auch ein Blick in den Pegasus Shop (wo das Produkt gar nicht mehr auffindbar ist) oder auf Amazon (wo der Preis auf um die 100.- für ein „Sammlerstück“ geschossen ist) verrät. Glück gehabt. Genau wie damals beim Traumlande-Band, den ich noch Monate nach dem Erscheinen – ebenfalls im Ultra Comix – zum regulären Preis erstand. Bei Amazon will man für diesen jetzt 299.-, was vermutlich niemand zu zahlen bereit ist. Dennoch: Keine ganz schlechte Wertanlage, diese limitierten Ausgaben. (Falls sich jemand dafür interessiert: Leider habe ich nicht Exemplar 666 sondern Nr. 616 erhalten, aber numerologisch ist das vielleicht sowieso die Zahl des Tieres.)

Nyarlathotep:The Black Pharaoh by ~genocyber on deviantART

Irgendwie macht die Tatsache, dass das Buch vergriffen ist, eine Rezension weniger reizvoll. Wer will diese schon lesen , wenn er das Buch nicht hat? Und von den 749 anderen Buch-Besitzern ist vermutlich nur ein verschwindender Teil Leser hier. Oder?

Trotzdem, man kann das Werk ja auch als PDF kaufen, daher interessiert es vielleicht doch einige Leser, was es zum Inhalt zu sagen gibt. Da komme ich übrigens gleich zu meiner ersten kritischen Anmerkung: Auf der Rückseite des verschweißten Produkts lag ein Flyer, der lediglich „Pegasus-Shop 25$ Gutschrift!“ verhieß. Das ist ein gewaltiger Etikettenschwindel. Man erhält nämlich lediglich 25$ Gutschrift für den Kauf des PDFs zum Buch, wenn ich das richtig verstanden habe. Und dieses kostet bei DriveThruRPG stolze 40$. Für ein digitales Produkt ist mir das eindeutig zu teuer. (Und nun keine Beschwerden – ich arbeite in einem Digitalverlag und weiß, dass nur ein kleiner Teil der Kosten für die physische Produktion anfällt und auch bei einem Digitalprodukt Kosten für Lektorat und Illustration anfallen. Es ist eine psychologische Sache: So viel Geld für ein komplett immaterielles Gut auszugeben, bringe ich nicht über mich.) Den Kauf für 15$ durch den Gutschein überlege ich mir noch, aber eigentlich reicht mir die prächtige Hardcover-Ausgabe.

Die Ausstattung ist mit Silberschnitt, zwei Lesebändchen und vielen Illustrationen sehr gut gelungen. Was mir dagegen negativ auffiel waren diverse Tipp- und Grammatikfehler, die immer wieder vorkommen und einfach nicht zur wertigen Optik (und dem stolzen Preis) passen wollen. Aber das bin ich von den meisten Rollenspiepublikationen, leider auch bei Pegasus, gewohnt. Und nun genug Formalia, springen wir in den Inhalt. Denn davon gibt es reichlich in „Ägypten“.

360 Seiten bringt der wuchtig Band mit – wie üblich zweigeteilt in einen Quellen- und einen Abenteuerteil. Die Abenteuer habe ich nicht gelesen, daher kann ich hierzu nicht viel sagen. Die Titel klingen aber recht spannend.

Im Infoteil finden sich allerlei allgemeine und mythosbezogene Informationen zum Land der Pharaonen und Umgebung, von Städtebeschreibungen über Szenarioideen bis hin zu einer ausführlichen Timeline Ägyptens und der Ägyptologie. Dem Mythos, der auch in der allgemeinen Landesbeschreibung ab und an auftaucht, ist auch noch ein separates Kapitel gewidmet, in dem auf Abdul Alhazred eingegangen wird, auf Netocris, den Schwarzen Pharao und seine Inkarnationen, außerweltliche Kulturschaffende, die am Nil siedelten und, und, und. Alles sehr liebevoll aufbereitet und für den Spieltisch übersichtlich zusammengefasst. Eine Beilage in Broschürenform gibt zudem Aufschluss, was ein Reisender der 20er Jahre bei seinem Besuch in Ägypten beachten sollte. Und natürlich fehlt auch die großformatige Ägypten-Karte nicht.

Gut gefallen hat mir der Abschnitt über zufällig und willkürlich anzulegende Grabbauten, eine Art „Baukasten“ für Gräbersysteme. Hier kann man wählen, ob man ein Indiana-Jones-Kino-Feeling oder eine historisch realistische Grabstätte anlegen möchte und findet dann kopierbare Raumpläne und -beschreibungen.

Fazit: Das Buch muss man haben, wenn man es noch als Buch ergattern kann. 70.- sind ein happiger Preis, aber zumindest als Sammlerstück ist es das wert. Mich ärgert, dass beim Korrektorat geschlampt wurde, und dass ich das PDF noch zusätzlich kaufen muss, aber ansonsten überzeugt der Band durch spannende Lektüre und gute Hilfe am Spieltisch. Das PDF alleine würde ich definitiv nicht kaufen – das empfehle ich nur wirklichen Hardcore-Äygpten-Fans.

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