Von Bardengesang, Orchesterwucht und Schweinegrunzen

Diesen Monat ist das Thema des RSP-Karvenals: Musik im Rollenspiel! Für mich als Musiker und Musikfan ein guter Grund, meine Tastatur zu entstauben und mal wieder etwas zu schreiben.

Als allererstes möchte ich mein tollstes Erlebnis mit Musik im Rollenspiel kundtun. Leider war dies keine P&P-Runde, sondern eine Live-Runde von Vampire: The Requiem.

An diesem Spielabend fand die Beerdigung des Fürsten (quasi der Chef eines Vampirhabitats, meistens einer Stadt) und die Krönung des Nachfolgers statt Nachdem die schauspielerisch fantastisch vorgetragene Grabrede des Nachfolgers beendet war, erschallte der Ruf, dass nun der Fürst eintrete. Durch die Tür trat dann eine kleine Gruppe, in Schlangenlinie und gleichmäßig-langsamen Schritt, in den Raum. Die erste Person hielt ein Kissen mit einer Urne in der Hand. Kurz darauf fing ein Spieler (ob das nun einstudiert oder spontane Idee war, ist mir bis heute nicht bekannt) das Singen an. Er sang ein mittelhochdeutsches Trauerlied. Leider ist mein Mittelhochdeutsch ziemlich *hüstel* eingerostet, darum verstand ich nicht, was er genau sang, aber der Mut dazu  beeindruckte mich sehr, vor allem, weil der gute Barde eine sehr angenehme Stimme hatte.

Sowas kann ich mir sehr gut am Spieltisch vorstellen, wobei am Spieltisch die Immersion in den Charakter meistens nie so hoch ist, wie beim LARP oder Live-Rollenspiel und es dadurch „lächerlich“ rüber kommen kann. Ich gänsefüße mal das lächerlich ein, denn wie das von der jeweiligen Gruppe aufgenommen wird, dürfte sich stark unterscheiden. Ich wäre anfangs verwundert, aber dann wohl sehr angetan.

Insgesamt hätte ich nichts dagegen, Musikinstrumente und ähnliches mal an einem Rollenspieltisch einzubinden, solange die Gruppe nichts dagegen hat. Ich kann mir da viel Unterhaltungswert vorstellen (vorausgesetzt der Herr Musicus versteht, wie man das Instrument benutzt).

Hintergrundmusik in meinen Spielrunden ist eigentlich normal. Leider verkommt die Musik oft zu einem hintergründlichen Tröpfeln, das keiner mehr wirklich wahrnimmt. Bei unserer Star Wars-Runde läuft unsere Playlist mit dem Soundtrack den ganzen Spielabend an rauf und runter, wird aber selten wahrgenommen. Wobei uns schon immer aufgefallen ist, dass die Liste die Angewohnheit hat zum passenden Moment das richtige Lied abzuspielen, was, wenn es bemerkt wird, die Atmossphäre sehr stark in sternenkriegerische Höhen schießen lässt.

Manchmal experimentieren wir etwas herum und spielen beispielsweise, wenn die Gruppe eine Discothek besucht, „ortstaugliche“ Musik. Letztlich ergab sich eine Situation, in der wir dann basslastige Electro- und Technostücke abspielten. Die Lautstärke haben wir etwas erhöht, damit jeder etwas lauter reden, aber nicht unbedingt schreien muss. Ich glaube, den Spielern hat es gefallen. Ich fand es definitiv erheiternd!

Ich selber als Spielleiter nutze gerne noch „Gesang“ in einem etwas verdrehten Sinne. Als weiteres Hobby singe ich in mehreren Metal-Bands, die gutturalen Gesang gebrauchen. Genaugenommen: Gebrülle, Gegrunze, Schweinequieken, Kreischen, Blubbern und weitere Varianten der extremen Lautäußerung. Die meisten nehmen fälschlicherweise an, dass so ein Gesang wirkliches „Schreien“ ist. In Wahrheit steckt hinter diesem Gesang eine Kombination verschiedener Gesangstechniken, die es ermöglichen solche Geräusche zu simulieren. Wenn man diese Techniken erlernt und genug übt, sind sie ein hervorragendes Mittel fürs Rollenspiel.  Durch das Erlernen dieses Gesangs habe ich gelernt meine Stimme in vieler Art zu verstellen und einige merkwürdige Geräusche zu produzieren. Soll ein Dämon wirklich mit tiefer, gurgelnder, fast schon doppelter Stimme den Helden Angst einjagen? Mit der Kenntnis gutturalen Gesangs kein Problem. Soll ein Alien fremdartige Geräusche von sich geben während eines Kampfes? Ebenso kein Problem. Mit ein bisschen Übung kann man dadurch viele verschiedene Stimmen und Geräusche erzeugen, um den Spielern mehr Atmosphäre in einer Spielrunde zu bieten.

Ich muss gestehen, dass hat nur im entferntesten Sinne mit „Musik“ zu tun, aber durch die Musik bin auf den Gedanken gekommen, mein Wissen über Stimme und Atmung in Rollenspielrunden zu nutzen, um vielerlei Charaktere besonders darzustellen. Den Spielern macht das auch sichtlich mehr Spaß, wenn der oben genannte Dämon nicht mit irgendeiner, sondern mit einer „bösen“ Stimme spricht.

Dies ist ein Beitrag zum Rollenspielkarneval im Mai zum Thema Flöten, Sänger, Synthesizer. Ausgerichtet wird er diesmal von Roachware.

2 Gedanken zu “Von Bardengesang, Orchesterwucht und Schweinegrunzen

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