„Geistige Eigentumsrechte“ an Charakteren

Weil mir der Gedanke heute früh kam, wollte ich die juristisch Informierten unter den Lesern fragen, wie die Rechtslage ist: Darf ich eine Geschichte über einen Charakter schreiben und veröffentlichen, den ich mir nicht selbst ausgedacht habe? Szenario:

Ich leite ein Abenteuer mit meinem Plot und natürlich einigen Charakteren, die die Geschichte mit voran treiben. Die Geschichte will ich dann in einer Kurzgeschichte, einem Roman o.ä. verwenden. Brauche ich dafür die Zustimmung des Spielers/der Spieler, gerade, wenn ich ihre Charaktere 1:1 übernehmen will?

(Es handelt sich um eine rein akademische Frage, normalerweise sollte man sich in einer Spielrunde ja ausreichend verstehen, um das irgendwie klären zu können. Mich interessiert nur der Komplex Urheberrechte, und das schien mir ein spannendes Fallbeispiel zu sein.)

9 Gedanken zu “„Geistige Eigentumsrechte“ an Charakteren

  1. Urheberrechtlich sind nur Werke geschützt, keine Charaktere. Charaktere könnten als Marke geschützt werden, aber das dürfte am Spieltisch eher nicht vorkommen.

    1. Danke für die Antwort!

      Sind „Geschichten“ in ihrer Struktur, Ablauf, Elemente irgendwie geschützt? Ist eine Rollenspielrunde eigentlich eine Live-Performance und irgendwie schützbar? Oder muss ein Werk dazu reproduzierbar sein?

      1. Eine Rollenspielrunde ist eine kreative Gruppenleistung und damit automatisch urheberrechtlich geschützt. D.h. Tonband-, Video- oder Wortprotokoll gehören automatisch der Gruppe, die damit eine BGB-Gesellschaft wird. Veröffentlichung müsste damit gemeinsam entschieden werden.
        Eine Zusammenfassung oder Nacherzählung ist dagegen eine Bearbeitung, die strenggenommen genehmigungspflichtig wäre.
        Alles relativ theoretisch und umständlich. Liegt daran, dass auch dafür das Urheberrecht nicht erfunden würde und dennoch Gültigkeit hat.

        1. Danke für die Einsichten, Bjørn, ich hab gewusst, dass es sich lohnt, die Frage zu stellen. Schon ein lustiges Ungetüm, unser Urheberrecht🙂

  2. Das Urheberrecht greift, sobald eine durch den Urheber fixierte Version einer kreativen Schöpfung existiert: Z.B. die Charakterhintergrundgeschichte, eine Kampagnenchronik, ein Videomitschnitt etc.
    Wurde nichts fixiert (niedergeschrieben o.ä.) besteht auch kein Urheberrecht auf den Inhalt. Ein tabellarischer Charakterbogen mit ein paar Zahlen drauf und ein paar in vorgegebene Felder eingetragene Standard-Informationen dürften zu wenig Schöpfungshöhe haben, um als geschützt zu gelten – das lässt sich aber nicht pauschal klären!
    Auch interessant: Es kann Dich nicht irgendein Anwalt abmahnen, ohne vom Urheber oder dessen Verwalter beauftragt zu sein.

    Urheberrechtliches Konfliktpotenzial könnte aber zur Schöpfung der Kampagnenwelt und des verwendeten Abenteuers bestehen, wenn Du nicht selber beides geschrieben hast.

    Mehr zum Thema: http://ghoultunnel.wordpress.com/2010/07/07/urheberrecht-copyright/

    1. Eine „fixierte“ Version muss es nicht geben. Eine Aufführung ist auch dann urheberrechtlich geschützt, wenn sie nicht aufgezeichnet wurde – in dem Sinne, dass man eine Erlaubnis braucht, um eine Aufzeichnung anzufertigen.
      Beispiel: Wer ein Improvisionstheater anschaut und danach aufschreibt, was er gesehen hat, verletzt die Urheberrechte der Theatergruppe. – Gleiches gilt dementsprechend für eine Rollenspielrunde.

      1. Ok, wieder was dazugelernt. Dürfte aber meistens schwierig zu beweisen sein, dass eine Urheberrechtsverletzung an einer unfixierten Schöpfung vorliegt!

        1. Wollen wir hoffen, dass Mitspieler einer gemeinsamen Runde sich nicht gegenseitig verklagen. Denn wenn mehrere gegen einen aussagen, ist die Lage ziemlich eindeutig. – Das Ganze ist aber auch nur ein Gedankenspiel.

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