Kurzrezensionen: WdM, VTuU, HV

Ein langes RPG-Wochenende liegt hinter mir: DnD 4e ausprobiert (wozu ich aber erst etwas schreibe, wenn ich mehr Erfahrung habe) und zwei Tage DSA gespielt. Und in den zwangsläufigen Spielpausen einige der neue(re)n Publikationen gesichtet, zu denen ich kurz meinen Senf geben möchte:

  • Von Toten und Untoten: Ich bin begeistert. Der Tractatus contra Daemones war schon eine Offenbarung für Spieler, die gerne am Rande des Pakts und der dunklen Seite der Macht stehen – und da zähle ich mich mal dazu. Dieser Band liefert schreckliche Illustrationen, stimmungsvolle Texte und ein nettes Layout: In Marginalglossen findet man jede Menge Kommentare zum eigentlichen Text, was die Wirkung als Intime-Artefakt erst möglich macht. Außerdem gibt es einen guten Überblick über Regeln und Werte von Untoten und mit den Verlorenen auch endlich die Möglichkeit, Liches in DSA zu erschaffen, ohne sie gleich zu Daimoniden oder Dämonen zu machen. Die Ausgestaltung von Verlorenen als SCs wird angedeutet, aber als „mystisch“ und „rein erzählerisch“ dem Meister überlassen.
  • Wege des Meisters: Der band widmet sich dem Meistern an sich. Dazu gibt es zwar in anderen Regelwerken ebenfalls Anregungen, hier aber komprimiert, mit RPG-Theorie bestückt und unterhaltsam aufbereitet. (Zum Unterhaltungswert tragen besonders die Dork-Comics bei.) Ein paar Formulierungen haben mich verwundert – etwa eine Tirade gegen Fernseh-Berieselung und Komasaufen, vor dem das Hobby RPG schütze (was nicht unbedingt stimmt). Die Optionalregeln zu Schicksalspunkten und die Anregung zum regellosen Erzählspiel sind interessant zu lesen. (Auch wenn sich gerade DSA für letzteres m.M.n. nicht eignet.) Mein Fazit: Das braucht man nicht unbedingt, wenn man schon etwas Erfahrung als Meister hat. Es ist aber auf jeden Fall keine Fehlinvestition. Zum Thema Meistern startete kürzlich übrigens auch eine Youtube-Videopodcastreihe:
  • Hesinde-Vademecum: Der erste Band dieser Reihe, den ich in Händen halte. (Rondra interessiert mich nicht, und ich denke, das ist bei viel mehr Spielern der Fall, als Ulisses-Produktplaner denken.) So ganz weiß ich nicht, wie ich das Buch behandeln soll: Es enthält Gebete, Ritualbeschreibungen, optionale Spielvarianten von Hesindegeweihten, Quellentexte zu diversen Kulten, Verbünden, zur Geschichte der Kirche. Damit lässt es Geweihte natürlich lebendiger werden. Andererseits hätte ich mir von den Vademecums gewünscht, dass sie entweder als Tagebuch (hier: Buch der Schlange) genutzt werden können, oder als nachschlagewerk dienen. Für den ersteren Zweck fehlen Vakatseiten (es sind nur etwa 10), für den letzteren fehlen ein paar Tabellen (etwa alle Liturgien plus Quellenangabe). Vielleicht müsste ich mal einen Hesindegeweihten spielen, um den Wert des Buches zu erkennen.

Mein Fazit insgesamt: Ich habe das Gefühl, dass Storytelling eine größere Rolle bei den aktuellen Publikationen spielt: Wege des Meisters schwimmt von nicht-verregelten Anregungen, und auch in VTuU sind zumindest die Verlorenen ein solches Element. Und Vedemecums braucht der game-basierte Spielstil sowieso nicht. Das ist ein guter Weg, auf dem sich die Produktpolitik von Ulisses offenbar befindet.

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