Der Rollenspieler: Ein abergläubischer Zeitgenosse?

Ein Artikel bei den Teilzeithelden (der zu einer eher unnötigen Diskussion über dessen Qualität führte) listet als eine der Regeln am Spieltisch:

Die hei­li­gen Würfel

Unter den Rol­len­spie­lern gibt es sehr viele Leute, die einen aus­ge­präg­ten Aber­glau­ben entwickeln, was ihre Wür­fel angeht. Des­halb zum Abschluß ein gut­ge­mein­ter Rat:

Fasse nie­mals die Wür­fel von ande­ren Spie­lern an, ohne vor­her zu fragen!

Der angesprochene Aberglaube ist mir auch schon aufgefallen. Eine Spielart ist, dass ein Spieler tatsächlich glaubt, seine Würfel könnten durch andere Spieler „verdorben“ werden: Insbesondere durch Spieler wie mich, die im Allgemeinen besonders bei DSA schlecht würfeln. (Ich habe eine Tendenz zu hohen Würfen – was bei DnD und Star Wars wiederum vorteilhaft ist. Und ja, es ist mir bewusst, dass ein W20 ein angenäherter platonischer Körper sein sollte und es daher keine Tendenzen geben kann. Das ist vermutlich mein Aberglaube.)

Ein anderes Szenario: Der Spieler braucht bestimmte rituelle Gesten. Etwa, nur auf Holz zu würfeln oder nur auf dem Charakterbogen; oder das Ergebnis durch „gefühlvolles“ Abrollen der Würfel auf der Oberfläche positiv zu beeinflussen.

Die Gegenseite zum Ritus des Würfelnden: Das Verhalten der anderen Spieler während des Vorgangs. Ein Spieler unserer Gruppe glaubt etwa (wenn auch ein bisschen scherzhaft), wenn die Mitspieler einen Wurf „callen“, ihn also ankündigen, passiert er auch. (Und das Problem: Wie das menschliche Hirn so funktioniert, merkt es sich vor allem, wenn dies dann auch tatsächlich eintritt, und nicht die 19 Würfe auf W20, bei denen es nicht passiert.)

Das ist alles natürlich statistischer Unsinn. Am schlimmsten: Das „Rauswürfeln“ schlechter Ergebnisse. Wenn man die 3W20 ab und an einmal auf den Tisch fallen lässt, ohne eine Probe abzulegen, und dabei der Patzer herauskommt, dann sinkt in der Vorstellung die Chance, dass bei der nächsten Probe wieder ein Patzer passiert. (Blödsinn, denn Würfel haben kein Gedächtnis.)

Und das waren nur my two cents zu Würfeln und Würfen – welchen Aberglauben kennt ihr vom Spieltisch?

17 Gedanken zu “Der Rollenspieler: Ein abergläubischer Zeitgenosse?

      1. Ich hab es mal aus der Rezi von argamae zu hackmaster basic rausgesucht: „Ebenso überflüssig ist imho das Kapitel über „Würfel-Etikette“, daß detailliert näherbringt, wie man Würfel handhabt, pflegt, auf ein Spiel vorbereitet, „auflädt“, richtig wirft (verschiedene Wurftechniken werden anhand einer schematischen Grafik erläutert) usw. Auch wird auf „Würfelaberglauben“ eingegangen und die Wichtigkeit von Würfeln in HMb überdeutlich hervorgehoben. Okay, das alles ist natürlich eine Persiflage auf allgemeine Rollenspieler-Eigenarten, aber mehr Substanz (Regeln, SL-Sektion, Abenteuer etc.) wäre allemal besser gewesen als diese 11 Seiten über das primäre Spielgerät dieses Hobbys.“

        -> htt://greifenklaue.wordpress.com/2010/10/17/rezi-hackmaster-basic/

  1. ©Greifenklaue: so ne Art Pflegeanleitung für Würfel, ja?🙂 Lustig, muss ich mal suchen.

    @Anouphagus: Was Würfel angeht bin ich auch (zumindest etwas) abergläubisch. Ich suche sie mir grundsätzlich selber aus und auch immer nur auf der Spiel in Essen, weil ich da bisher die besten Würfel her habe. Anfassen dürfen andere meine Würfel schon, auch damit würfeln (sehr zum Leid der SL, weil meine Würfel einfach unheimlich gut würfeln🙂 )

      1. Äh ja. Mit 6 W10 gegen die 7 (mit der Option, 10er nocheinmal zu würfeln) und dann 8 Erfolge zu produzieren, ist schlicht dreist… aber sie versteckt sie gut vor mir

  2. Nur 2 Punkte:

    1.) Es sind eben tatsächlich nur /annähernd/ ideale Körper, und das kann sich gerade bei hohen Seitenzahlen schon deutlich auswirken. Würfel sind also verschieden „gut“.

    2.) Ich würde jede Wette eingehen, dass die Wahrscheinlichkeit, zweimal das gleiche Ergebnis hintereinander zu würfeln, durch die Würfeltechnik bedingt erhöht ist. Rollen usw. kann also tatsächlich einen Unterschied machen.😉

    1. Vermutlich hast du mit 1) recht – aber da ich diverse W20 durchgewechselt habe, schreibe ich die Eigenschaft, schlecht zu würfeln, mir selbst zu, nicht den Würfeln;). Wie gesagt, das hat auch abergläubische Züge …

      Die Wurftechnik muss natürlich zu einem wirklich zufälligen Ergebnis führen – bei einem W20 sehe ich das aber schon bei einem recht knappen Wurf aus dem Handgelenk gegeben. Wobei eine physikalische Studie dazu ziemlich interessant wäre.

      1. Natürlich spielt da eine Menge Aberglaube mit rein.🙂

        Bei der Wiederholung dachte ich eher an kleine Würfel – bei Savage Worlds erlebe ich immer wieder, dass gerade W4 schon pervers oft explodieren.

        Im Tanelorn gab es vor ein paar Jahren mal ein paar statistische „Versuche“ mit W20-Würfen (auf 1000 Rolls oder so – weiß es nicht mehr genau), wo die Wahrscheinlichkeiten schon enorm auseinander gingen. Aber selbst für W6 gibt es in Casinos ja richtig strenge Normen für präzise Spezialwürfel.

  3. Bei Casinos hat das denke ich eher was damit zu tun, dass sie Manipulationsversuche verhindern und Betrugsvorwürfen vorbeugen möchten. Aber klar: Kein Würfel ist ein idealer Körper, daher haben auch solche, die als perfekt symmetrische platonische Körper gedacht werden können, keine zu 100% gleich verteilte Wahrscheinlichkeit, einen bestimmten Wert zu würfeln.

    Aber für den Spieltisch reicht die Näherung, um zu sagen, dass ein nicht-manipulierter W20 gleich häufig die 17 wie die 4 zeigen wird. Von daher sind „Glückswürfel“ reiner Aberglaube. (Dem man sich aber naturgemäß schwer entziehen kann ^^.)

    1. „Aber für den Spieltisch reicht die Näherung, um zu sagen, dass ein nicht-manipulierter W20 gleich häufig die 17 wie die 4 zeigen wird.“

      Ich glaube, in erwähntem Tanelorn-Thread kamen schon einige Seiten doppelt so häufig wie andere weg. Das würde mir nicht mehr reichen – allein, man muss es halt hinnehmen.

    1. Super, vielen Dank, spannender Thread. Ich hatte zeitweilig daran gedacht, auf eine Würfel-App umzusteigen, aber das macht einfach zu wenig Spaß. (Allerdings dürfte die Zufälligkeit der Ergebnisse um ein Vielfaches höher liegen.) Mir wäre ja ein Würfel mit möglichst geringer Affinität zu Extremwerten am liebsten …

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