Kurzrezension: Dementophobia
by anouphagos
Ich beschränke mich in dieser Kurzrezension auf ausführliche Stichpunkte zu den einzelnen Abschnitten. Ich habe den normalerweise 29,95€ teuren Band Dementophobia in einem Gießener Rollenspielladen, der nun leider schlißet, für die Hälfte erworben. Er umfasst 230 Seiten und ist in gewohnter Optik und Ausstattung von Pegasus Press. Was mir auffiel: Quellenteil:
- Kurzer historischer Abriss der Psychiatriegeschichte mit relevanten Geistesgrößen wie Freud und Mesmer im Portrait – leider ohne tieferen Mythosbezug. Etwa die Idee, dass Freud seinen Traumdeutungen durch Träume auf die Schliche gekommen ist, die ihm der Große Cthulhu gesandt hat, fände ich reizvoll. Vielleicht findet sich so etwas im referenzierten CW-Artikel, den ich aber leider nicht vorliegen habe. Schade, ein Reprint hätte sich hier gut gemacht.
- Darstellungstipps für den Spielleiter, der seinen Spieler ein gutes Vorbild liefern und Geistesstörungen realistisch präsentieren will.
- Eine Referenz wichtiger Filme mit psycho(patho)logischen Themen
– leider fehlt mir hier einer meiner liebsten Vertreter dieses Genres, Shutter Island.[Edit: Der kam ja erst nach dem Buch raus ...] - Umfangreiche Tabelle, die verschiedene Ursachen psychischer Traumata mit Vorschlägen für temporäre (kurz- und langfristige) Störungen und geistige Umnachtungen verbindet.
- Ausführliche Hintergründe und Beschreibungen verschiedener psychischer Störungen, von affektiven Problemen (Depression und Manie) über Schizophrenie bis hin zu Alkoholismus und Spielsucht. Dieser Abschnitt ist sehr liebevoll aufbereitet und liefert unzählige Anregungen, auch wenn man zur Verwendung in Cthulhu Now vielleicht an der einen oder anderen Stelle die Wikipedia ergänzend und modernisierend konsultieren sollte. Unverständlich bleibt mir auch, warum Kokain und Psilocybin sich ein Kapitel teilen – ich vermute eine falsche Überschrift des Abschnitts. Gerade bei Drogen rate ich dringend, andere Quellen (ergänzend) zu nutzen. Bei den Störungen des Sexualverhaltens geht der Quellenteil recht behutsam vor, was mich nicht stört – wer etwa einen Abschnitt über Pädophilie vermisst, kann auch hier andere Quellen bemühen.
- Den Abschluss des Quellenteils macht ein langes Kapitel über Therapiemöglichkeiten, Heilungswahrscheinlichkeiten, historische Gesundheitssysteme und wesentliche Geistesgrößen der Therapiegeschichte. U.a. wird hier C.G. Jung als Kenner des Mythos eingeführt – leider fehlt aber eine inhatliche Definition dieser Kenntnis, lediglich ein Wert von 5% deutet auf Berührungspunkte hin. Schade!




