Cyclopean Citadels

Ein zyklopäisches Konstrukt zum Rollenspiel. Irgendwann jedenfalls.

Monat: März, 2012

Cthulhu Libria 43

by anouphagos

“Frisch aus R’Lyeh eingetroffen: Die aktuelle Ausgabe CL; diesmal mit 120 Seiten höchst überdimensioniert. Aber wer nicheuklidische Winkel und zyklopische Bauweisen, die den Verstand narren, gewöhnt ist, der wird wohl damit keine Probleme haben dürfen.
Neben Rezensionen und Buchvorstellungen gibt es ein Interview mit Barbara Büchner, als Kostprobe die Steampunk-Story DIE MASCHINE von Vincent Voss aus STORY CENTER 2011 von P.Machinery; und eine weitere lovecraftsche Grafik-Novel von Johann Peterka. Es ist gedeckt!”

Kurzum: Die neue CL ist draußen.

Die Ulisses-Verlags-Umfrage: Was daraus gelernt wird und was man daraus lernen kann

by anouphagos

Wenn sich im Ulisses-Blog ‘was tut, pfeifen es mindestens zwei Spatzen von den Dächern: Nandurion und Arkanil. Die sind dann freilich etwas später dran – und daher in meinem Feedreader weiter oben.

Die Details der Fan-Umfrage finden sich, aufgeschlüsselt nach den Fragen und mit Häufigkeitsverteilungen (aber ohne Anteilswerte), in einem PDF.

Ulisses selbst bietet als Interpretation im Kern an:

Das Das Schwarze Auge-Regelwerk, Version 4, wird als recht ordentlich strukturiert (nach Schulnoten 2,57) wahrgenommen und die Verständlichkeit ist befriedigend (2,7). Es erzeugt einen passablen Lesespaß (2,39) und wird als weitgehend ausgewogen (2,56) und präzise (2,47) empfunden. Die Gesamtnoten sind damit insgesamt recht ordentlich, zeigen uns aber deutlich, dass hier noch „Luft nach oben“ ist. [...] Die große Mehrheit der Teilnehmer ist mit dem Detailgrad des Hintergrundes sehr zufrieden und findet ihn genau stimmig (76,5%), ebenso wie die Menge der fantastischen Aspekte (79,7%).

Den größten methodologischen Mangel in der Stichprobenwahl kreidet Arkanil an:

Die beiden wichtigsten Zahlen der Umfrage sind aber: 1793 und 14.

1793 von 1985 Teilnehmern spielen aktiv DSA. Im Schnitt seit 14 Jahren.

Es haben sich demnach fast ausschließlich aktive und langjährige DSA-Spieler zu Wort gemeldet. Es ist eine Umfrage unter einer treuen Stammkundschaft gewesen. Es ist alles, aber nicht überraschend, dass diese Stammkunden mit DSA in überwiegender Mehrheit zufrieden sind. Sonst wären sie keine Stammkunden.

Das heißt, insbesondere mit Blick auf die Zukunft auch: Diese Umfrage hat nichts ergeben, das hilft, Nicht-Fans zu erreichen. Vermutlich ist aber Expansion der einzige Weg, der Zukunftsfähigkeit sichert, wie auch Arkanil anmerkt:

Ulisses könnte sich Gedanken über das eigentliche Problem machen: Den Nachwuchsmangel. 85% der Umfrageteilnehmer spielen DSA seit sechs oder mehr Jahren. Im Schnitt sind es 14 Jahre. Nur 2% der Spieler sind unter 18 Jahren. Woran liegt das? Wieso besteht die Kundschaft fast nur aus langjährigen DSA-Veteranen? Kann eine Produktstrategie zukunftsträchtig sein, die sich vorwiegend nach den Interessen dieser Veteranen richtet? Wie können neue Spieler gewonnen werden? Wie müsste ein solches DSA aussehen?

Es müsste in jedem Fall einsteigerfreundlicher werden. Darüber wurde ja kürzlich erst ausführlich diskutiert. Ich spiele jetzt seit knapp 8 Jahren Rollenspiel, glaube aber nicht, dass ich mich noch einmal in DSA einarbeiten würde.

Es fällt mir immer wieder schwer, Spieler in das System einzuführen – und ihnen dann Monate lang immer wieder erklären zu müssen, dass das so nicht funktioniert, weil es noch die optionale Regel auf Seite 113 gibt, die dafür andere Modifikatoren ansetzt.

Hoffentlich wird sich Ulisses dieses Problems bewusst – denn trotz aller Kritik am System und am Detailgrad der Welt: DSA ist und bleibt ein gutes Rollenspiel. Und ich würde gerne noch über lange Zeit mit neuen Quellenbänden versorgt.

PS: Wenn man nach “Fan-Umfrage Ulisses” googlet, erhält man übrigens als Top 4 Treffer bei Gotongi. Nur als Fun-Fact am Rande.

Der Mythos in der Bürokratie

by anouphagos

Wie gut, dass es The laundry gibt! Wie doof, dass diese Abteilung nie etwas vom “unspeakable, eldritch horror in my basement” erfahren wird …

Soziale Konflikte in Zombie-Chroniken

by anouphagos

There are always going to be people you don’t like. [...] But ultimately, you don’t have to rely on either of them to survive.

Unfortunately, in the post-apocalypse, you will. You’re going to have to work with people who annoy you then just as you do now–only “work” will have a different connotation. (incaseofsurvival.com)

Das ist einer der beiden zentralen sozialen Konflikte, die im Zombie-Rollenspiel auftreten (egal, ob in einem dezidierten Zombie-System wie AFMBE oder in anderen Systemen): Das Rick-Shane-Dilemma. Rick und Shane bedrohen sich nicht nur physisch gegenseitig, sie gefährden auch regelmäßig Operationen der Gruppe. Im Comic kam das Problem nicht wirklich auf – und zur Lösung für die Serie sage ich hier vorerst nichts.

Um die Lösung geht es mir auch gar nicht – eher um eine Sammlung sozialer Probleme in postapokalyptischen Szenarien. Der zweite Komplex, den ich ausmache: Dein Feind sind weniger die Zombies, es sind die anderen Survivor.

Auch in der actiongeladensten Zombie-Rollenspiel-Chronik wird man nicht um soziale Konflikte mit fremden oder mit der eigenen Gruppe herumkommen – ganz abgesehen davon, dass die sozialen Probleme mindestens so spannend sind wie Kämpfe gegen Untote.

Daher die Frage: Welche spannenden Konfliktfelder habt ihr in Survival-/Postapokalypse-/Zombie/…-Chroniken schon erlebt, eingebaut, angedacht?

Kurzinterview mit Pegasus zu “Magic – The Gathering”

by anouphagos

Bei magicblogs gibt es ein kurzes, sieben Fragen umfassendes Interview mit den Verantwortlichen beim Spiele- und Rollenspielverlag Pegasus. Logischerweise zum Thema “Magic – The Gathering“, dessen Vertrieb die Friedberger nun übernehmen. Die achte Frage habe ich auf Facebook gestellt:

Dennis Schmolk Wird man den Vertrieb durch euch irgendwie merken? Ich habe immer das Gefühl, Magic ist sehr Renton-zentriert.

Pegasus Spiele Merken, merken, merken, man wird hoffentlich gar nicht mehr dran denken, weil alles gut funktioniert, und die Leute einfach wieder Spaß am Zocken haben.

Beruhigend :)

Magietheorie

by anouphagos

Magietheorie ist eine schwierige Sache. Die Gedankenfetzen eines Kamels befassen sich damit aus quasi “wissenschaftstheoretischer” Sicht – da man die Theorie nicht falsifizieren könne, sei sie zu leicht umzuinterpretieren.

Dem stimme ich nicht ganz zu – “experimentieren” kann ich ja intime, der SL wird mir das Ergebnis mitteilen, und somit kann ich eine IT-Theorie auch falsifizieren. Das bedingt natürlich, dass der SL eine eindeutige Vorstellung der Magie hat, also sich genau überlegt hat, wie und warum sie in der betreffenden Welt ist.

Magie(theorie) bleibt aber schwierig. Wir stoßen in unserer DSA-Runde etwa immer wieder auf das Problem, wie viel ein nicht-magiebegabter Charakter an Magietheorie verstehen kann – wieviel dieser Theorie und ihres Verständnisses aus direkter Anwendung entsteht.

Ich stimme dem Kamel-Autoren zu, dass Magietheorie eher in die Weltbeschreibung als in die Kernregeln gehört. Es handelt sich immer um eine IT-Theorie, die sich – wie wissenschaftliche Theorien so oft – mit den Regeln deckt. Oder auch nicht.

Spannend finde ich immer, wenn es IT divergierende Theorien gibt, die beide von den Regeln gedeckt sind. So etwas strebe ich auch für unser Dark Fantasy-Setting für FATE an.

RPG auf der Leipziger Buchmesse: Eher dünn?

by anouphagos

Wie man meinem anderen Blog Alles fließt entnehmen kann, bin ich in der Buchbranche ein bisschen aktiv. (Kein Wunder als quasi “fertiger” Buchwissenschaftler.) Die beiden großen Messen stehen also auf dem Programm – und diese Woche findet die Leipziger Messe statt.

Was wieder einmal verwundert: Die großen Rollenspielverlage sind nicht vertreten, weder Ulisses noch Pegasus sind unter den Ausstellern. Vermutlich lohnt sich das einfach nicht. dafür spricht auch, dass Ulisses letztes Jahr da war, dieses Jahr nicht. Pegasus war anscheinend 2009 zuletzt in Leipzig. Immerhin gibt es in Halle 2 Stand H312/H400 einen ominösen “Rollenspielbereich” – vielleicht finden sich dort ja Gemeinschaftsstände o.ä. Feder und Schwetr ist auf jeden Fall da.

Ein Messe-Date mit cthuloidem Bezug ist mir wegen eines verletzten Tentakels geplatzt, haben sonst Leser Lust auf einen Kaffee o.ä. auf der Messe? Am Wochenende bin ich vermutlich vollständig bei protoTYPE eingebunden, Donnerstag und Freitag hätte ich aber sicherlich etwas Zeit. Und gibt es irgendwelche spannenden Veranstaltungen, die ich bislang übersehen habe?

Man sieht sich auf der Messe!

Kickstarter: HPL-Webserie in Planung

by anouphagos

Ein neues Kickstarter-Projekt widmet sich dem Funding einer lovecraftesken Webserie: “The Kohlman Files” von Gonzo Entertainment. Von der Qualität von deren Produktionen kann man sich in einigen Videos überzeugen, die auch auf der Projektseite verlinkt sind. Besonders empfehlenswert finde ich 109:

Gonzo Entertainment’s 109 from Nathan Fisher on Vimeo.

Der steinige Einstieg ins Rollenspiel

by anouphagos

Per aspera ad astra, wie es so schön heißt; oder auch: aller Anfang ist schwer; oder: [insert matching proverb here]. In zwei Blogartikeln und wohl auch in einigen Foren (ich sollte mal darüber bloggen, warum ich in RPG-Foren so inaktiv bin …) ging es die Tage um den Einstieg ins Rollenspiel.

Ich erinnere mich selbst noch ganz gut, wie ich richtig ins Rollenspiel, in DSA, eingestiegen bin. Erstmal war alles sehr einschüchternd: Viele Werte, ein komplizierter Charakterbau (den ich per Generatorsoftware recht suboptimal erledigte), umständliche Proben und eine sehr komplexe, und leider auch sehr komplex beschriebene Welt, die einem Einsteiger kaum Freiheiten lässt.

So war mein Eindruck am ersten Tag, so war er nach einem Monat, und so ist er eigentlich auch heute noch, auch wenn ich nun das “Herrschaftswissen” eines einigermaßen gestandenen DSA-Spielers besitze. Kurz gesagt: DSA ist kein Einsteiger-System, aber wer den EInstieg mit DSA schafft, der wird es in jedem System schaffen, das für den Spieler nicht völlig unpassend ist. Die Komplexität wird sich wohl auch nicht reduzieren lassen, höchstens für den absolut ersten Einstieg. Zu den Gründen schreibt Arkanil:

Auf Dauer lässt sich kein Schmalspur-DSA spielen. Das Regelwerk tut zwar so, als ob ein Großteil der Regeln nur optional wäre. Tatsächlich gehen die meisten DSA-Produkte aber von der Gesamtheit der Regeln aus. Nicht das Hinzufügen von Regeln ist optional, sondern meist nur das Weglassen von Regeln. Ähnliches gilt für die Spielwelt. Nicht das Befolgen des Metaplots ist optional, sondern das Abweichen davon.

So ist die Ulisses-Produktpolitik – und eine Änderung ist nicht in Sicht.

Auch bei n3rdpol befasst man sich mit der Frage, was Einsteigerfreundlichkeit ausmacht. Das Kriterium Preis ist sicher wichtig, aber vielleicht eher für ganz neue Gruppen, in denen jeder Einsteiger ist. Das dürfte kaum der Regelfall sein, die meisten Leute kommen über bereits spielende Freunde zum Hobby. (So jedenfalls mein Eindruck, der natürlich rein subjektiv und nicht durch empirische Daten gestützt ist.)

Aber auch, wer unter Anleitung einsteigt, hat bestimmte Bedürfnisse – etwa ein nicht zu komplexes Regelsystem. Mich hat die (Über-?)Komplexität von DSA damals nicht abgehalten, mich einzulesen, auch wenn es sicher hunderte Stunden gedauert hat, bis ich nicht mehr bei jeder Probe und für jedes Detail nachfragen musste. Wer aber weniger motiviert ist als ich damals oder schlicht weniger Zeit hat als so ein Oberstufenschüler, der wird das System wieder aus der Hand legen. Ich hatte sicher die beste Unterstützung durch eine erfahrene Gruppe, und nur das hat mich DSA weiter erkunden lassen.

Ich gehe davon aus, dass diese Artikel zum Thema RPG-Einstieg vor allem von schon “praktizierenden” Rollenspielern gelesen werden, die neue Leute an das Hobby heranführen wollen. Der wichtigste Faktor für mich: Die gestandenen Spieler müssen für die neuen da sein und ihnen Hilfestellung bieten. Das beginnt schon bei der Wahl des Systems – gut sind Systeme, die schnelle Charaktergenerierung erlauben, nicht zu viele, aber eindeutige und intuitive Regeln bieten und dem neuen Spieler idealerweise auch eine halbwegs vertraute Welt anbieten. Ich persönlich würde wohl am ehesten zur WoD, zu Shadowrun oder zum überarbeiteten Call of Cthulhu greifen. Bei Fantasy-Systemen bin ich mir nicht sicher, DSA ist jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich selbst kenne aber kaum anderes.

Alternate Reality Games: Irgendwie auch ein RPG-Genre

by anouphagos

Alternate Reality Gaming is, according to CNET, “…an obsession-inspiring genre that blends real-life treasure hunting, interactive storytelling, video games and online community…

[...]

These games (which are usually free to play) often have a specific goal of not only involving the player with the story and/or fictional characters but of connecting them to the real world and to each other. Many game puzzles can be solved only by the collaborative efforts of multiple players, sometimes requiring one or more players to get up from their computers to go outside to find clues or other planted assets in the real world. (What is an ARG?)

ARGs haben ein bisschen was von Rollenspiel, teilweise auch von Live-Rollenspiel, sie haben etwas von de profundis, weil sie über Briefe und andere Fernkommunikation gespielt werden (können), und sie sind ein interessantes Medium, fürs Storytelling wie auch fürs Marketing. Letztere Funktion habe ich auch in meiner Bachelorarbeit analysiert.

In Deutschland dominiert den (kleinen) ARG-Markt zumindest nach meiner Wahrnehmung das Unternehmen vm-people, mit dessen Geschäftsführer ich ein längeres Interview für genannte Arbeit geführt habe.

Bei der Gelegenheit habe ich mich natürlich auch gleich bei der ARG-Portalseite folge-dem-kaninchen.de registriert – und bin nun offenkundig in ein Alternate Reality Game geraten.

Was bislang bekannt ist findet sich im Argreporter-Forum und im Blog. Bei Google Docs gibt es ein Dokument, das die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Postsendungen sammelt, um Muster zu erkennen. Es geht in jedem Falle um den “Herrn deiner Angst” – man darf gespannt sein, wann die Website mehr hergibt als ein bedrohliches Augenmotiv. (Die Augen deuten ja fast darauf hin, dass es wieder um einen Fitzek geht.)

Eigentlich verwundert es mich ein wenig, dass noch kein Rollenspiel-Verlag Produkte mit ARGs bewirbt. Bei einem nicht-realen oder zeitversetzten Setting ist der Grundsatz “This Is Not A Game” zwar nicht richtig umzusetzen, dafür haben Rollenspieler die nötige Fantasie, um dennoch Immersion aufkommen zu lassen. Wo bleiben die ARGs von Pegasus und Ulisses? (Zum Untotenband wäre doch ein ARG mit einem Zombiewalk-Finale sehr passend gewesen …)

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